5-Baja California
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Der  "Wüstenzipfel" im Pazifik

VIVA Mexico!

Mexiko - ein Kulturschock?

Für die meisten Amis ist der Gedanke nach Mexiko zu fahren völlig abwegig. Zu arm, zu unsicher, zu dreckig, zu wenig entwickelt, zu viele Mexikaner ... Und doch trifft man speziell auf der Baja California, wie Niederkalifornien auf spanisch heißt, eine beträchtliche Anzahl von Gringos. Wie immer, wenn es um  die  USA geht: Das Land ist so groß und vielfältig, als dass sich allgemein gültige Regeln aufstellen lassen. 

Wir waren jedenfalls happy als wir die Grenze problemlos passierten und das Law and Order Land hinter uns ließen. Viva Mexico hieß die Devise.

 

Zunächst galt es, sich mit den mexikanischen Besonderheiten auseinander zu setzen. Hält sich in den USA jeder an Vorschriften, findet man in Mexiko eher einen lockeren Umgang mit dem Gesetz. Gefahren wird auf Teufel komm raus, schnell jedoch nie aggressiv, Führerscheinprüfung gibt es sowieso  keine. Dann die Enge der Straßen und vor allem der Parkplätze, beinahe schon wie in good old Europe. 

Der Sprit kostet überall gleich viel, das ist sehr angenehm, falls man vom Tankwart nicht übers Ohr gehauen wird. Also immer schön wach sein und schnell die Münzen und Scheine kennen lernen! Die 10-Peso-Münze ist über dies eine Schönheit und kommt in unsere Souvenir-Schatulle. 

Thema Einkaufen: In größeren Ortschaften gibt es immer öfter total neue Einkaufszentren wie in den USA, nur viel preisgünstiger!  Die Milchprodukte entsprechen eher den europäischen Vorstellungen, dh sie sind nicht zu Tode konserviert und mit allem möglichen Unfug angereichert wie in den USA, selbst wenn die Milch irgendwie süßer schmeckt als bei uns. In diesen großen Läden gibt es dann auch frisches Brot zu kaufen, in guter Auswahl, in kleineren Läden kriegt man dann leider nur mehr das Toastbrot "Bimbo", falls es nicht eine Panaderia um die Ecke gibt. Die Trinkwasserversorgung klappt bis jetzt bestens: Überall kann man gereinigtes Trinkwasser kaufen zum Spottpreis, am besten gleich in einem 20 l Kunststoff-Ballon.

Thema Restaurants: Bisher eher enttäuschend, von einigen hervorragenden Ausnahmen abgesehen, das mexikanische Essen beschränkt, sich vor allem für Veggie Mike, auf Quesedillas (mit Käse gefüllte Tortillas), Reis und Bohnen.  Gerti kann auf Meeresfrüchte und Huhn ausweichen. Das Chinesische Essen dürfte eine Alternative darstellen...

Thema Mexikaner: Ein freundliches  und fröhliches Völkchen, hier auf der Baja California sind sie zwar manchmal etwas abweisend, weil sie schlechte Erfahrungen mit den Gringos gemacht haben. Die Atmospähre ist sehr entspannt, wir hatten bisher keinen Anlass, uns zu fürchten! Es ist unglaublich wie jung die Leute sind! Das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren  in Österreich bei ... Michael hat mit VW-Werkstätten schon einige positive Erfahrungen gesammelt: Ein planmäßiger Motorölwechsel und der Austausch der Bremsklötze samt -scheiben wurden sehr seriös und zu einem Drittel des europäischen Preises von mexikanischen Mechanikern bewältigt. Es macht Spaß, mit den Leuten zu radebrechen, obwohl unsere Spanischkenntnisse noch zu wünschen lassen. 

 

Grundsätzliches zur Halbinsel "Baja California" (Man sagt übrigens "Bacha"...)

Die Halbinsel hängt wie ein Blinddarm am amerikanischen Kalifornien. Über 1300 km lang, länger als der italienische Stiefel, doch selten breiter als 100 km. Freihandelszone mit der USA, die mexikanische Regierung investiert Milliarden an Pesos in den Tourismus. Sehr viele Amis verbringen den Winter hier, der Dollar wird als Währung 1:10 akzeptiert. 

Geografisch schiebt sich die längste Halbinsel der Welt zwischen den kalten  Pazifik im Westen und den warmen Golf von Kalifornien (oder dem Mar de Cortez) im Osten. Sie ist großteils gebirgig, die Ausläufer der Sierra Nevada Kaliforniens reichen tief in die Halbinsel. Im Süden erhebt sich die vulkanische Sierra Gigante bis auf über 2000 m. Die Südspitze liegt bereits unterhalb des Wendekreises des Krebses, also in den Tropen.

Von der Vegetation überwiegt die Halbwüste mit mehr als 100 Kakteenarten, es gibt aber auch landwirtschaftlich genutzte Gebiete, sogar Weinanbau wird im Norden betrieben. Besonders reizvoll sind die zahlreichen Oasen, meist von unterirdischen Flüssen gespeist. 

Es ist ein raues Land, im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, nur von Oktober bis Anfang April gibt es erträgliche Temperaturen. Noch dazu wird die Halbinsel im Sommer von zahlreichen Hurricans durchgebeutelt. 

Die Baja Fauna besteht in erster Linie aus einer vielfältigen Vogelwelt und den zahlreichen Meeresbewohnern: In den flachen Lagunen am Pazifik kann man von Jänner bis März den Grauwalen bei der Kinderstube zusehen und das Mar de Cortez ist überhaupt eines der fischreichsten Gewässer der Welt: Über 600 Fischarten sollen hier vorkommen, von den Delfin-Schulen (Delfinherden) ganz zu schweigen ...

Kulturell ist auf der Halbinsel längst nicht so viel los wie am Mexikanischen Kernland. Jedoch gibt es eine Besonderheit: Die Jesuiten, später die Franziskaner, haben die Baja missioniert und dabei eine ganze Kette von Missionen  bis rauf nach Oberkalifornien errichtet. Alle 30 - 50 km kann man eine mehr oder weniger erhaltene Missionskirche aus dem 18. Jh besichtigen. 

 

Reisehöhepunkte 

Die ersten 500 km auf der Halbinsel verliefen ziemlich eintönig. Es gab nicht besonders interessante Ortschaften und überwiegend landwirtschaftlich genutzte Gebiete zu durchqueren, für uns war's trotzdem spannend, schließlich mussten wir uns Mexiko mit seinen Eigentümlichkeiten erarbeiten. In den Orten gilt immer höchste Alarmstufe beim Fahren: Es lauern versteckte Stopp-Tafeln mit ebensolchen, kassierwilligen Polizisten und als besondere "Gemeinheit" schlafende Polizisten, das sind mehr oder weniger achsgefährdende Betonwülste,  quer über die Straße. Diese "Topes" sind wohl das einzige Mittel, die mexikanischen Autofahrer einzubremsen. Außerdem  zwingen jederzeit auftretende Schlaglöcher  Fahrer und Copilot  zur Wachsamkeit.

Auf der freien Landstraße gilt das Gesetz des Stärkeren und vor allem Schnelleren. Nicht nur einmal wurden wir von einem Linienbus mit einem Affenzahn überholt. 

Aber bei  Catavina zeigte sich dann die Baja erstmals von ihrer herb-schönen Seite: Gewaltige Gesteinsbrocken liegen im sogenannten Boulderfield verstreut zwischen herrlichster Wüstenvegetation. 

Die riesigen Cardon-Kakteen strecken ihre Arme bis zu 20 m in den Himmel und werden bis zu 200 Jahre alt. Als wir sie zum ersten mal von der Ferne aus  sichteten dachten wir wirklich, es handelt sich um so etwas wie eine Radaranlage auf einem Berg. 

Eigenartig und auf der Baja California endemisch (also nur hier vorkommend ) sind die Cirios, auch Boojum Trees genannt. Diese Sukkulenten gehören nicht zur Familie der Kakteen. Sie schauen ein bisschen wie eine verkehrt in den Boden gerammte Karotte aus. Dabei erreichen sie jedoch die Höhe der Cardons. 

Witzig anzusehen sind die Teddybär-Kakteen, man sollte jedoch nicht auf die Idee kommen, sie wegen des Namens anzugreifen ...

Herrlich war das Herumstapfen in diesem Märchenland beim leider viel zu frühen  Sonnenuntergang.

 

Bei  San Ignacio verwandelte sich die Landschaft in eine Oase mit Dattelpalmenhainen, die von den europäischen Missionaren angepflanzt wurden.

San Ignacio beherbergt außerdem die wahrscheinlich schönste Missionskirche der Insel. 

 

Dann erreichten wir erstmals bei Santa Rosalia das Mar de Cortez, das Ziel unserer Urlaubsträume. 

Gefunden haben wir unser Paradies in einer großen Bucht namens  Bahia Concepcion. Türkisgrün schimmert das warme und flache Meer mit wunderbaren Stränden zum Verweilen. 

Dort gibt es sogenannte Playas Publicas, einfache Camping-Plätze, die von der Gemeinde verwaltet werden. Gegen eine geringe Gebühr von USD 5 - 7 kann man hier herrlich am Strand stehen und die Tage, Wochen oder Monate vorbeiziehen lassen. Viele Nordamerikaner verbringen hier den Winter, sogar ein österreichisch-deutsches Paar war darunter.  

Wir blieben 10 Tage und genossen unseren "Urlaub" in vollen Zügen.  Unser Strand, der Playa Escondida, hatte eine extrem schwierige Zufahrt, der letzte Hurrican hatte den Weg als Bachbett benutzt.  So blieben die großen Ami-Motorhomes draußen und wir befanden uns unter Gleichaltrigen und Gleichgesinnten.

Kein Tag war wie der andere, obwohl wir kaum den Strand verließen gab es ständige "Sensationen": Die Pelikane ließen sich völlig ungerührt von uns in ihrem Tun beobachten, besonders faszinierte uns deren Gleitflug knapp über den Wasseroberfläche. 

Dann die Blaufußtölpel, die nur auf Inseln im Mar de Cortez brüten. Der deutsche Name vermittelt ein völlig falsches Bild von diesen fantastischen Fischern. Sie stürzen sich wie ein Pfeil aus großer Höhe in die See um nach ein paar Sekunden mit ihrer Beute wieder aufzutauchen. Darüber kreisen dann in großer Höhe  Fregattvögel, die perfektesten aller Gleiter. Durch die eigenartige Flügelstellung erinnerten sie uns an Vampire. Wir fragten uns jedoch manchmal, was und wann diese Vögel eigentlich fressen, da wir sie nie dabei beobachten konnten. 

Vormittags schaute meist ein Kolibri bei unserer Palapa (das ist eine Palmwedelhütte) vorbei. Außerdem stakste morgens oder abends gerne ein großer Reiher vorbei. Dann machte uns eine Eisvogelfamilie durch ihren Gesang aufmerksam. Sie hausten im nahen Felsriff und fischten vorzugsweise gegen Abend. 

Nun zur Unterwasserwelt. Schnorcheln erschien uns wie Tauchen in einem Aquarium: Die bunten Fischchen waren gar nicht scheu, manchmal hatten wir das Gefühl, als suchten sie unseren Schutz. Zum Glück trafen wir auf keine Haie oder Stachelrochen, die auch in diesen Gewässern heimisch sind.

Den absoluten Höhepunkt erlebten wir  jedoch bei der  Begegnung mit Definen. Diese schwammen gerne in unserer Bucht, einmal - frühmorgens - erlaubte uns ein Delfin mit ihm zu schwimmen.   Dabei bestimmte der Delfin die Nähe und die Art des Kontaktes. Einer unserer Strandgenossen durfte ihn sogar berühren. 

Sogar der Mond hatte etwas Spezielles mit uns vor: Drei Tage lang erschien er uns praktisch als Vollmond - ehrlich, wir waren stocknüchtern - am 8. November ging er sogar als totale Mondfinsternis auf und verzauberte die Bucht zwei Stunden lang mit  seinem besonderen Licht.  

Einen kleinen Wermutstropfen stellten die ab und zu auftretenden Quallen-Fäden dar. Durch die Hurricans wurden viele Quallen zerstört und deren Reste spukten hie und da in den Buchten herum.  Besonders bei Flut waren wir mit den unangenehmen Nesselungen konfrontiert, zum Glück verhalf Essig zu sofortiger Linderung.

Dann war die Zeit gekommen, von dem Stückchen Paradies Abschied zu nehmen, wir fuhren nach La Paz, der Hauptstadt der Baja California. La Paz war unsere erste, große mexikanische Stadt. 

Wir genossen das Bummeln auf der Strandpromenade, dem Malecon, wo am Abend in zahlreichen Kneipen live Musik gespielt wird.  Trotz seiner 200.000 Einwohner wirkt La Paz wie eine sympathische Kleinstadt, in der wir uns sehr wohl fühlen konnten. Bei einer  VW-Werkstätte ließen wir die Bremsen samt Bremsscheiben wechseln, die Leute waren sehr freundlich, kompetent und die Sache kostete nicht mal ein Drittel des europäischen Preises. Viva VW-Mexico! Außerdem gibt es in La Paz große Einkaufszentren mit allen erdenklichen Köstlichkeiten. Besonders begeistert hat uns die "Tortilla-Fabrik", wo die Mexikaner stapelweise frisch gebackene Tortillas davontragen. 

Wir beschlossen, noch eine Woche auf der Baja zu bleiben und uns auch die Kapregion anzusehen. Leider wurden zahlreiche Playas Publicas von den diesjährigen Hurricans zerstört und auch die Straßen schwer beschädigt. 

Wir konnten deshalb nicht zu entfernteren, einsamen Buchten gelangen und mussten mit der voll touristische Südspitze der Halbinsel Vorlieb nehmen. 

Wir "durchschritten" den Wendekreis des Krebses, aber die Luft wurde nicht tropischer, wahrscheinlich wegen der frischen Winde am Kap. 

Nur ein kleiner Schritt für die Menschheit ...

Hier gab es wunderbare Strände mit glasklarem Wasser und das Kap selbst ist ein Hit. 

Der Strand Playa del Amor bietet einem die einzigartige Möglichkeit sowohl im harmlosen Mar de Cortez als auch im tosenden Pazifik zu schwimmen. 

Kein Wunder, dass die Region touristisch voll aufgeschlossen wurde, ohne jedoch die Gegend bis jetzt, wie befürchtet, total mit Hotelklötzen zu verschandeln. 

Von Cabo San Lucas fuhren wir dann über den "Künstlerort" Todos Santos 

zurück nach La Paz, wo bereits das Fährschiff zur Überfahrt auf das Festland auf uns wartete. 

 

 

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Stand: 14.02.2007