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Florida, Georgia und adieu - USA!

 
Floridas Norden

Florida stand als Bundesstaat nicht auf der Wunschliste unserer Reiseroute.  Miami oder Daytona Beach mit Unmengen Autos am Strand sowie Disneyworld in Orlando übten auf uns keine Faszination aus.   Einzig die Everglades im Süden wären attraktiv  gewesen, aber dieser Umweg war zeitlich nicht mehr drinnen. 

Und doch gab es an der Nordküste des Golfes von Mexiko wunderbare "Puderzucker"-Strände, die beim ersten Hinsehen fast unwirklich erschienen. 

 

Ein neues Problem tat sich auf: Die "Springbreaker" waren losgelassen! Hunderttausende Studenten suchten von Mitte März bis April Sonne und Alkohol und machten die Campingplatzsuche oft zu einer Odyssee. Normalerweise waren wir mit den unvermeidlichen Pensionisten oft alleine in den State-Parks, doch nun hieß es oft "Campground full" und wir mussten auf teuere KOA-Campgrounds oder auf den kostenlosen Walmart-Parkplatz ausweichen. Und selbst dort veranstalteten die Jugendlichen dann einmal eine "Ralley", die uns wiederum den Schlaf raubte. Also ließen wir die zwar reizvolle, aber zum Schwimmen zu kalte  Küste bald hinter uns und erreichten mit Georgia unseren letzten Bundesstaat.

 

Georgia on my mind

Hier galt es, neben dem Erleben des Südstaatencharmes, vor allem, uns und den VW-Camper auf die nächsten Abschnitte unserer Reise vorzubereiten.  Wir erklärten die wunderbare alte Stadt Savannah zum Stützpunkt unserer Aktionen. Mehr als eine Woche hatten wir Zeit, den VW aufzumöbeln und die Koffer für unsere Asienreise zu packen. Klingt eigentlich recht viel, war es aber nicht!  Das Auto verlangte nach intensivster Pflege, schließlich wohnten wir ja 9 Monate darin. Es galt dem alten Schiffs-Kommando "Klar Deck überall" gerecht zu werden. Akribisch wurden alle Ecken des Campers inspiziert und behandelt. Parallel dazu wurde die gesamte Wäsche gewaschen und sortiert. Viel von unserem Inventar blieb im Camper und wurde dort so verstaut, dass auch bei schwerem Seegang nichts kaputt gehen konnte. Wir fertigten eine Gebrauchsanweisung für die beiden Damen an, die den VW in Bremerhaven abholen und dann eine kleine Tour damit machen wollten. 

Als alles fertig war, gab es das Abschiedsfestessen, von Michael in unserer kleinen Küche gezaubert und im Zwei-Personen-Speisesaal zelebriert.

  

Trotz aller Aufbruchstimmung gönnten wir uns aber zwei Tage, um dem bezaubernden Savannah halbwegs gerecht zu werden. Es blühten in den Parks gerade die Azaleen, die einen wundervollen Kontrast zu den Eichen mit dem Spanish-Moss abgaben. 

 

Savannah verfügt über ein erstaunlich großes historisches Zentrum, das im Rautenmuster angelegt und von zahlreichen Parks aufgelockert wurde.  Ein würdiger Abschied von den USA, es war zwar ziemlich kalt und untertags flogen kleine stechende Biester, wir werden es aber in guter Erinnerung behalten. 

Am vorletzten Tag fuhren wir - schweren Herzens - unseren VW-Bus nach Brunswick, von wo er nach Europa verschifft wurde.  Brunswick ist ein eher verschlafenes Städtchen, die Leute von der Spedition waren aber nach einem anfänglichen Schock - sorry, we have no booking for you - sehr hilfsbereit mit den Dokumenten. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Einfuhrpapiere offensichtlich mit dem gestohlenen Anhänger verschwunden waren.  Die Dame von der Spedition bereinigte jedoch diesen Missstand für uns und dann kam der ergreifende  Moment des Abschieds - wunderschön blitzend stand der VW am Parkplatz beim Hafen, kaum zu glauben, dass wir darin neun Monate herrlich verbracht hatten! (Verzeiht den übertriebenen Pathos des Autors!)

Zurück nach Savannah ging es dann mit dem Greyhoundbus. Hier wurde evident,  dass die Rassentrennung wohl noch nicht richtig überwunden ist: Wir waren die einzigen Weißen im vollen Bus - übrigens ein klappriges Modell - kein Vergleich mit den First-Class-Überland-Bussen Mexikos!

Die letzte Nacht verbrachten wir in einem Motel nahe dem Airport, gingen ein letztes Mal Veggie-Burger essen zum Burgerking und am nächsten Morgen hoben wir zum längsten Flug unseres Lebens ab, nach Asien.

Resümee der USA-Reise

Wir wollen hier Licht und Schatten der USA in einer sehr subjektiven, persönlichen Gegenüberstellung aufzeigen:

Was uns gefallen hat ... Was wir nicht gut fanden ...
Echt coole Leute über 60 auf der Harley Zu viel Stars'n Stripes Fahnenschwenkerei
Sehr freundliche Verkäufer im Supermarkt Erschreckend altes Personal trifft man überall an, selbst im Flugzeug
Überwältigende, gut organisierte Nationalparks  Nationalpark-Ranger verhalten sich oft sehr arrogant und besserwisserisch
Herrliche Stateparks um jede Ecke Übertriebener und regelgepflasterer Naturschutz
Sympathische Amis, die sich nach Mexiko trauen Penetrante Kriegsbefürworter ("we support our troops"-Schilder)
Öffentliche Büchereien mit kostenlosem Internet-Zugang in jeder Stadt Es gibt überraschend viele arme Menschen, die sich keinen Computer leisten können
Endlose Autobahnen zum Entspannen Oft durchfuhren wir 100e Meilen reizloser Landschaft
Erstaunlich vielfältiges, sehr preisgünstiges und gutes Fastfood In Kleinstädten ist McDonald's oft das höchste der Gefühle
Membership-Cards im Supermarkt ersparten uns eine Menge Geld Die Grundversorgung an Lebensmitteln beschränkt sich oft nur auf Chips und Coke
Unkomplizierte Umgangsformen Grenz-Beamte waren oft sehr unfreundlich
Welcome-Center der einzelnen Staaten versorgten uns mit wertvollem Infomaterial Welcome-Center gibt es nur an den Interstate-Autobahnen und Großstädten
Das Wegweiser-System der Straßen ist klar und deutlich aufgebaut Das Service im Flugzeug bei Inlandsflügen ist praktisch null
An Tankstellen kann man oft direkt bei der Zapfsäule mit der Kreditkarte zahlen An manchen Tankstellen muss man Geld oder die Kreditkarte vor dem Tanken hinterlegen
Kleidung und elektrische Artikel sind sehr preisgünstig Lebensmittel, speziell Obst und Gemüse, sind oft horrend teuer
Die Möglichkeit, sein Haus fix und fertig per Lastwagen liefern zu lassen Elende Containersiedlungen, sowohl am Lande als auch am Großstadtrand
Die Trucks sind immer auf Hochglanz poliert und sind niemals Verkehrshindernisse Wir wurden von schrecklichen, schrottreifen Taxis befördert
Wir fanden uns in allen Städten schnell zurecht, aufgrund des ähnlichen Aufbaus Verwirrende Steuersätze in den einzelnen Bundesstaaten (oft inklusive, oft exklusive)
Die Nationalparks bieten wunderbare, riesige Camping-Stellplätze, mit eigener Feuerstelle und überdachtem Sitzplatz Private Campgrounds sind oft reine betonierte Wohnmobil-Parkplätze für die Dinosaurier-RVs der Amis
Die medizinische Versorgung im Notfall ist hervorragend Viele Menschen können sich eine gute medizinische Versorgung nicht leisten, es gibt keine Sozialversicherung
Wir wurden oft von deutsch-sprechenden Amerikanern in nette Gespräche verwickelt Zahlreiche bettelnde home- and workless people am Straßenrand
Die Black-people unterscheiden sich von den White-people um 100 % in ihrem Lebensstil und ihrer emotionaleren Wesensart Man trifft kaum schwarze Besucher in den National- und Stateparks
 

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Stand: 14.02.2007