10-Louisiana
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Im "alten" Süden, 

wo die Yankees noch immer out sind

 
Lafayette - Hochburg der Acadiens

Die Acadiens sind französischer Abstammung, ursprünglich in Kanada angesiedelt und Ende des 18. Jh von dort vertrieben. Sie ließen sich im Sumpfgebiet des Mississippi-Deltas nieder und pflegen ihre französichen Traditionen bis in die Neuzeit. Im Gegensatz zu den Yankees sind die Acadiens jedoch ein lebensfrohes Volk, die es besonders verstehen, Feste zu feiern.  Es gab auch einen regen kulturellen Austausch mit anderen Einwanderern, was sich besonders in den den typischen Speisen widerspiegelt. In der Cajun (sprich "Keidschen") Küche spielen Krabben und Meeresfrüchte, meist scharf gewürzt, die Hauptrolle. 

Mit dem Verkauf Louisianas an die USA vor gut 200 Jahren und dem später verlorenen Bürgerkrieg geriet diese Minderheit immer mehr in die Defensive, eine Zeit lang war die französische Sprache sogar von Amts wegen verboten. Und heute können die Eltern ihre Kinder kaum noch dazu bewegen, im Zeitalter von MTV und Hipphopp Französisch zu lernen. Etwas verwirrend erschien uns, dass alle Leute Louisianas mit französischen, deutschen, indianischen oder schwarzen Wurzeln als Creolen bezeichnet werden. 

Bekannte Amis hatten uns eine Adresse von einem Acadien gegeben, der sogleich so freundlich war, mit uns eine Sumpftour zu unternehmen. "Frenchi", wie ihn die Amis nannten, führte uns in eine fantastische Sumpflandschaft mit einzigartigen Sumpfzypressen und wir bekamen auch einige ausgewachsenen Alligatoren zu sehen. 

Der "Gator" lässt sich hier nur vor der Zypresse erahnen!

Die aus dem Wasser ragenden Stümpfe sind Wurzelkniee der Zypressen!

Zur Mittagszeit sonnen sich diese gerne im Frühjahr auf Sandbänken. Neben den Alligatoren findet man meist eine ganze Kette von ebenfalls sich sonnenden Sumpfschildkröten.

In Lafayette gibt es Freilichtmuseum, das dem Lebensstil der Acadiens gewidmet ist. In jedem der Häuser erwarteten uns nette Leute, die auf Wunsch über die Lebensweise früherer Zeiten erzählten und dabei nicht mit scherzhaften Seitenhieben auf die Yankee-Kultur geizten.  Als uns dann ein Führer vom Alligator im vorbei fließenden Flüsschen erzählte, glaubten wir natürlich, dass das Flunkerei wäre - wie staunten wir dann aber, als das " Bröckerl" tatsächlich sichteten - mitten in einer Stadt! Merke: Alligatoren kommen in Louisiana beinahe überall vor!

Lake Faucey State Park

Ein wunderbar, in Sumpflandschaft eingebetteter, Statepark mit dem freundlichsten Personal der ganzen USA. 

Wir blieben ein paar Tage und unternahmen fantastische Sumpfwanderungen mit Alligator-Sichtungen und als Höhepunkt stöberten wir ein Gürteltier auf, das sich zunächst geschickt versteckt hielt und dann im "Schweinsgalopp" das Weite suchte. 

Ganz in der Mitte des Bildes sieht man noch den Hintern des Gürteltieres!

Bei der Ausfahrt vom Park durften wir dann den einzigen Platten unserer gesamten Amerika-Reise "erleben" - leider war der Reifen komplett erledigt, so dass wir einen neuen kaufen mussten, was übrigens, trotz ungewöhnlicher Dimension, kein Problem war.

 

 

New Orleans - Südstaatenmetropole mit einzigartigem Charme

Kaum eine Stadt in den USA hat uns mehr beeindruckt als N'Orleans! Sie gehört, neben San Francisco und Las Vegas, zu den drei Top-Städten unserer USA-Visite (New York besuchten wir ja nicht). Mardi Gras, der Karneval in N'Orleans, lag schon ein Monat zurück, aber das tat der Lebensfreude in dieser Stadt keinen Abbruch: Ständig ist irgend eine Festivität angesagt, bei unserer Visite wurde gerade der (irische) Patrick's Day gefeiert - natürlich mit einer ordentlichen Parade, bei der Krautköpfe und grüne Ketten von den Wägen geworfen wurden. 

Die Sache mit den Ketten ist typisch für den Mardi Gras und alle anderen festlichen Anlässe in N'Orleans.  Zunächst dachten wir, was da für komische Rosenkränze in ihren Autos hängen.  Doch dann begriffen wir, dass bei jeder Parade themenbezogene Ketten geworfen und von den Leuten säckeweise davon geschleppt werden. Natürlich haben wir auch zugeschlagen! 

Laissez les bon temps rouler - lasst die guten Zeiten regieren - 

heißt - nicht zu Unrecht - das Motto der Stadt!

N'Orleans ist auch die Geburtsstadt des Jazz, und wirklich, an jeder Ecke wird dem Jazz und N'Orleans berühmten Sohn, Louis Armstrong, gehuldigt: Zahlreiche Jazz-Bands spielen in den Straßen und den Open-Air-Cafes auf. Wir ließen uns einfach von einer Band zur nächsten Treiben, besonders angetan hatte es uns die "Algier Brass Band", vom Stadtteil Algier auf der anderen Seite des "Old Man Rivers".  Es folgt nun eine kurze Darbietung der Band, wenn man mit dem Mauszeiger über das Bild fährt. )Sollte das Bild schwarz bleiben, müsste man die Ursache in der Browsereinstellung suchen.)

Der berühmteste Stadtteil ist das French-Quarter, ein bezauberndes Viertel mit den typischen Creolen Häusern samt eisernen Balkonen.  

 

 

Hier lässt sich's  herrlich flanieren - zahlreiche, französisch inspirierte Cafes laden den erschöpften Touristen zum Relaxen ein.  Unbedingt probieren sollte man die Beignets, in Schmalz herausgebratene "Maeuse", die heiß unter einer Puderzuckerschicht serviert werden - aber Vorsicht: Das Zeug kann süchtig machen! 

Wir schafften es jedenfalls nicht, einen Tag ohne Beignets in N'Orleans zu verbringen. Dazu trinkt man dann den eher enttäuschenden Zichorien-Kaffee.

Das Gegenstück zum French Quarter ist das Villenviertel der Yankees im Garden District.  Da kann man zwar die wunderbaren Südstaaten-Villen bewundern, ohne jedoch den Charme des French Quarters zu verspüren. Verbunden sind die Vierteln durch die uralte und liebevoll gepflegte Straßenbahn, Streetcar genannt, deren Weg von einer einzigen Eichenallee gesäumt ist.  

     

Berühmt sind auch N'Orleans Friedhöfe, weil die Toten aufgrund einer städtischen Vorschrift nicht in der Erde sondern in Mausoleen bestattet sind. Man wandelt hier praktisch auf Wegen zwischen "Totenhäusern". 

Auf manchen erfährt man auch etwas über die Geschichte des Verstorbenen - so waren auf dem von uns besuchten Friedhof sehr viele Deutsche Einwanderer und deren Nachkommen begraben.

 

"The Big Easy" - liegt am Mississippi, der sich als träger, sehr breiter Fluss durch die Stadt wälzt.

Das Immigranten-Denkmal  zeugt von der Zeit als Tausende Einwanderer aus Europa in N'Orleans an Land gingen.  

Wir unternahmen auch eine, der sehr beliebten, Mississippi-Dampfer-Touren mit dem einzigen dampfbetriebenen Boot N'Orleans, der "Natchez".  

Beim Einschiffen spielte die einzigartige Dampforgel des Bootes flotte, schräge Walzerklänge. 

Dann wurden wir mit herrlichen Ausblicken auf die Stadt belohnt und wunderten uns nur, wie ruhig das Boot am Fluss dahinglitt: Der Dampf-Betrieb samt Schaufelrad ließ keine der sonst üblichen Vibrationen, wie bei Dieselmotoren, aufkommen.

Landpartie zu den Plantagen der Creolen

Wir fuhren den Mississippi mit unserem Wagen hinauf, das Ziel war eine als Besonderheit beschriebene Creolen-Plantage. Leider wurde der Mississippi hinter riesige Dämme verbannt, die kaum mehr einen Blick auf ihn während der Fahrt zuließen. Das hatten wir uns malerischer vorgestellt! Dafür wurden wir mit einer fast kabarettistischen Führung durch die Ex-Plantage belohnt: Der jetzige Besitzer  verstand es auf äußerst kurzweilige Art, uns das Leben auf einer Plantage näher zu bringen. 

Die Creolen hatten keine üppigen Herrenhäuser am Land, wie die Yankees, sondern reine Nutzbauten - sie benutzen ihre Stadthäuser im French Quarter für die besseren Zeiten! Außerdem ist für Creolen die Familie die Firma und die Firma die Familie, dh,  die Plantage musste eine große Anzahl an Köpfen ernähren und keiner konnte sich der Verantwortung dafür entziehen! Traditioneller Weise wurde immer die älteste Tochter zur Leiterin der Plantage bestimmt.

Begeistert vom Süden fuhren wir nach ca. 2 Wochen weiter ostwärts, die Bundesstaaten Mississippi und Alabama durchkreuzend. Hier setzte sich das "Savoir vivre"  der Südstaatler für uns leider nicht fort. Wir empfanden Mobile zB als eine eher öde Stadt,  rauben die vielen Kirchen hier  etwa den Menschen die Lebensfreude?

Dafür wartete die Küste Richtung Florida mit einer einzigartigen Besonderheit auf! Aber das steht in unserer letzten Geschichte von Amerika ...

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Stand: 14.02.2007