7- Mexiko City
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Mexiko-City - ein faszinierender Albtraum

 
Das Tal von Mexico

Geschätzter Leser! Stellen Sie sich das Chaos in Vollendung vor, ein unendliches Häusermeer durchzogen von ebenso vielen  Straßen, die oft 50 oder mehr Kilometer lang sind. Zwanzig Millionen Menschen  leben auf einem Hochbecken (!!!) in 2200 m Höhe, umgeben von gewaltigen Vulkanbergen.

Es zog uns also in diesen Moloch, der von den Einheimischen verwirrender Weise einfach  Mexico oder DF (Distritto Federal) genannt wird. Wir wählten bewusst die Weihnachtszeit, weil dann viele der reicheren "Capitalitos" (Hauptstädter)  ihren Urlaub am Meer verbringen.   

Das größte Wunder war für uns, dass diese Stadt überhaupt funktionierte! Die (saubere) U-Bahn transportiert die Menschenmassen problemlos und preisgünstig, die Bus-Verbindungen vom Stadtrand ins Zentrum sind zuverlässig , wir wurden weder bestohlen, bedroht oder sonst wie unangenehm behandelt. Alle Menschen sind hier begnadet mit Engelsgeduld, freundlich und hilfsbereit, nie aggressiv -  "kaputte" Typen, wie in europäischen Großstädten, sieht man keine, wohl aber sehr arme Leute, die vom Verkauf von Kleinigkeiten, vom Musizieren oder von der Bettelei leben. 

Die Höhenlage gepaart mit der Luftverschmutzung  (dabei war nicht einmal Smogalarm) und Kälte strapazierte unsere Körperabwehrkräfte. Gerti lag ein paar Tage danieder mit hohem Fieber und Atemwegsproblemen. 

Alles in Allem hatten jedoch  wir einen guten Eindruck von dieser Stadt und ihrer faszinierenden Umgebung gewonnen, obwohl wir uns schon wieder sehr nach der Wärme und der Luft des Pazifiks sehnten. In Mexiko sind ja kühle Wintertage und tropische Sommerhitze oft nur vier Fahrstunden entfernt. 

 

Im historischen Zentrum der Ciudad de Mexico

Als Cortez 1519 erstmals vom Pass zwischen den Vulkanen Popocatepetl und Ixtaccihuatl auf das Tal von Mexiko blickte, sah er einen riesigen See in dessen Mitte eine der fantastischsten Städte der Menschheit herausragte - Tenochtitlan, die Hauptstadt des Aztekenreiches.  (Die Azteken bezeichneten sich übrigens selbst als "Mexica", daher der Name Mexico.) 

Das Modell des Pyramiden und Tempelbezirkes von Tenochtitlan

Heute sieht man vom Pass nur an sehr selten, klaren Tagen das gewaltige Häusermeer der Stadt, vom riesigen Lago de Texcocco  sind nur mehr ein paar armselige Reste vorhanden. 

Die Spanier hatten nach der Zerstörung der Aztekenhauptstadt ihre eigene  Hauptstadt der Kolonie "Neuspanien" genau auf den Trümmern des Tempel- und Pyramidenbezirkes von Tenochtitlan errichtet. 

Im Zentrum  befindet sich der größte Platz Mexikos überhaupt, die  Plaza de la Constitucion, kurz Zocalo genannt.  

Hier ist immer etwas los: Demonstrationen, Feierlichkeiten,  Atzeken-Tänzer finden darauf ihr Publikum. Ein Klick auf das obige Bild startet einen kleinen Video-Cut!

Dort steht natürlich auch die größte, jedoch nicht die schönste, Kathedrale Mexikos und damit auch ganz Lateinamerikas. Der Platz wird auf der einen Längsseite durch den Palacio Nacional, dem Amtssitz des mexikanischen Präsidenten, begrenzt. Unbedingt sehenswert sind darin Diego Riveras berühmte Wandbilder,  Murales genannt, die von der mexikanischen Geschichte auf überaus fantasievolle, plakative Weise erzählen. 

Mehr zu Diego Rivera, dem wohl begabtesten der drei mexikanischen Muralisten als Link mit seinem Lebenslauf. 

Schräg hinter der Kathedrale wurden im Zuge des U-Bahnbaus in den Siebzigerjahren die Reste des aztekischen "Templo Mayor" ausgegraben.  

Blick von der "Mauer der Toten" zur Kathedrale

Im angeschlossenen Museum sind die wichtigsten original Fundstücke in einer attraktiven Schau ausgestellt. Am Modell von Tenochtitlan kann man sich die Größe und Pracht der alten Hauptstadt gut vorstellen: Der Templo Mayor überragte die heutige Kathedrale um mehr als 10 Meter! 

Zwischen dem Zocalo und dem Park Alameda befinden sich die schönsten Gebäude der Altstadt. 

Der Weihnachtsbaum besteht aus Weihnachtssternen!

Wir wohnten einen Block hinter dem Zocalo in einem kleinen, sauberen, sehr preisgünstigen Hotel.  Unseren VW-Bus hatten wir auf dem Camping-Platz im Vorort Tepozotlan für ein paar Tage zurückgelassen.

Beim Park Alameda steht der "Lateinamerika-Turm", ein Hochhaus aus den Fünfzigerjahren, von dem man eine fantastische Aussicht auf die Stadt, besonders bei Einbruch der Dämmerung, genießen kann. 

Der Park selbst hat uns nicht sehr beeindruckt, vor allem  wegen des winterlichen Zustandes der Vegetation. Wohl aber die Gebäude, allen voran der neoklassizistische Palacio Belles Artes und die "Burg" des Hauptpostamtes. 

        

Am Ende der Alameda befindet sich ein Museum, das eigentlich nur einem Künstler und einem Werk gewidmet ist: Diego Riveras "Traum eines Sonntagspazierganges" mit vielen historischen Persönlichkeiten und Anspielungen. Den Spruch "Es gibt keinen Gott" musste der überzeugte Marxist allerdings noch vor Enthüllung des Werks übermalen. Rivera hat sich auf dem Gemälde übrigens selbst zweimal als kleiner Junge verewigt.

Wer findet unseren verträumten Habsburger-Kaiser Maximilian?

 

Ein Klick aufs kleine Bild öffnet die ganze Pracht des Gemäldes.

 

In Mexicos attraktiven Aussenbezirken 

Mexiko-City hat bei seinem ausufernden Wachstum auch einige kleine Kolonialstädte der Umgebung aufgesogen. Dazu gehört neben San Angel vor allem das Vorstädtchen Coyacan, das seinen kolonialen Charme bewahren konnte.  

Ursprünglich am Ufer des Texcocco Sees gelegen, war es schon zu Zeiten der Conquista ein bedeutsamer Ort. Vor dort leitete  Cortez die Einnahme Tenochtitlans und er residierte dort solange, bis die Hauptstadt von "Nueva Espana" fertig aufgebaut war. Das "rote" Rathaus von Coyoacan soll angeblich von Cortez errichtet worden sein. In ihm gibt es ein Mural von Rivera zu bestaunen, das ua die Folterung des letzten Azteken-Herrschers Cuauhtemocs thematisiert. Cuauhtemoc wurde in Coyoacan ermordet. 

Das Hauptgeschehen konzentriert sich um die Plaza Central, die eigentlich aus zwei zusammenhängenden Plätzen besteht.  Der Brunnen in Mitten der Plaza zeigt zwei steinerne Koyoten, das Wort Coyoacon bedeutet nämlich "Ort der Koyoten". 

Rund um die Plaza gibt es zahlreiche Cafes und Bistros, die herrliche "Schmankerl" zu zivilen Preisen servieren. Die Plaza ist auch bekannt für ihren "Hippie-Markt", wo man auf angenehme Weise Souvenirs kaufen kann. 

Wir besuchten auch das Frida-Kahlo-Museum, das viele persönliche Dinge von Frieda Kahlo und Diego Rivera in ihrem, zur Abwehr von Hexerei blaugetünchten, ehemaligen Wohnhaus zeigt.

  

Geschichts-Interessierte können auch dem liebevoll gehegten Trotzki-Museum eine Visite abstatten. Der russische Marxist verbrachte dort seine letzten Jahre im Exil ehe ihn sein Schicksal in Form eines Eispickels einholte. 

Wir ließen den Camper  in der kleinen Vorstadt  Tepotzotlan,  ca. 40 km vom Zentrum entfernt, stehen. Dieser Ort ist ein beliebtes Sonntagsausflugsziel der Hauptstädter und glänzt vor allem mit seiner barocken Jesuitenkirche samt angeschlossenem Konvent. 

      

Unglaublich, welchen Reichtum die Jesuiten in Mexiko anhäuften, kein Wunder also, dass sie Ende des 18. Jh vertrieben wurden. Und Mitte des 19. Jh wurden unter Juarez gleich alle Klöster aufgelöst.  Als Folge unterstützte der Klerus unseren Marionetten-Kaiser Maximilian . 

 

Im Museo Anthropologia - Eintauchen in Mexikos reiche präkolumbianische Vergangenheit

Dieses Museum sollte auf dem Pflichtprogramm jedes Mexiko-Besuchers stehen. Es befindet sich in der grünen Lunge der Hauptstadt, dem Chapultepec Park. 

In 24 Sälen wird einem die Geschichte der indigenen Hochkulturen auf attraktivste Weise nähergebracht. Jeder Hochkultur ist ein eigener Saal gewidmet. 

Hier kann man manches besser verstehen und betrachten als auf den original Ausgrabungsstätten. Dort sind die Grabkammern meist nicht zugänglich oder leer, während im Museum einige Gräber möglicht originalgetreu, wie zum Zeitpunkt des Fundes, nachgestellt wurden.

 

Kein Buch oder Text kann den überwältigenden Eindruck der Schau mit den zahllosen Statuen, Säulen, Reliefs usw. wiedergeben. 

Besonders faszinierten uns die verschiedenen Skulpturen des Regengottes Chakmol.

Die 2,5m  große Steinscheibe, der "Aztekenkalender" (eigentlich eine Jahreszahl), wurde bei Grabungsarbeiten unter dem Zocalo gefunden wurde und wird heute als das Symbol für die mexikanischen Hochkulturen betrachtet.  

 

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Eine 2m große Steinscheibe zeigt einen Ballspieler in Aktion. Die mittelamerikanischen Völker gelten als Erfinder der Fußballspieles. Es hatte bei ihnen einen rituell-religiösen Background. Gespielt wurde mit einer schweren Kautschukkugel.

 

Beindruckend ist auch die vielfältige Sammlung an Tonfiguren. Die Mesoamerikanischen Hochkulturen waren Meister des Modellierens. Die kleine Bildershow soll einen Eindruck von der Lebendigkeit der Figuren vermitteln.

Durch den Besuch des Museums optimal "gebildet" und vorbereitet konnten wir jetzt endlich beginnen, die berühmten Pyramiden-Anlagen Mexikos zu besuchen.  

In Teotihuacan - wo auf den Pyramiden der Sonne und dem Mond gehuldigt wurde

Am Rande der Großstadt liegt eine der mysteriösesten Pyramiden- und Tempelanlagen Mexikos überhaupt. Teotihuacan hatte zu seiner Hochblüte um Christi Geburt über 200.000 Einwohner und war die größte Stadt des amerikanischen Kontinents. Doch welches Volk diese Metropole bewohnte und warum sie um ca. 700  n. Chr. aufgegeben wurde, liegt im Dunklen der Vergangenheit. Es gab keinerlei schriftliche Aufzeichnungen. Die Azteken gaben der Stadt später den Namen Teotihuacan, der Ort wo die Götter wohnen. 

 

Dominiert wird die Anlage von zwei gewaltigen Pyramiden, der Sonnen- und der Mondpyramide.  Die größere Sonnenpyramide hat ungefähr die gleiche Grundfläche wie die Cheopspyramide, jedoch erreicht sie "nur" eine Höhe von ca. 64 Metern. Präzise ist ihre Ausrichtung: Am 19. Mai und am 25. Juli steht die Sonne im Zenit über  ihr und dann weist die Hauptfassade , genau auf den Sonnenuntergangs-Punkt nach Westen.

Nach dem anstrengenden Aufstieg in dünner Luft tut sich ein herrliches Panorama von der gesamten Anlage auf. Dazu gibt's hier auch ein kleines Video als Link.

Die Mondpyramide ist zwar etwas kleiner als der Sonnen-Bruder aber durch das ansteigende Gelände erscheint sie fast genau so hoch.  

Ihr Vorhof wird durch 12 Kultpyramiden begrenzt. Die Grabungsarbeiten sind noch im Gange: Erst im Jahr 2000 wurden in der Mondpyramide einige antike Skelette in einem verdeckten Gang entdeckt und die Hügel der Umgebung lassen wohl noch einige Sensationen unter sich schlummern. 

 

 

Bei den großen Vulkanen - wo "Don Gregorio" von Zeit zu Zeit Feuer spuckt

Am Neujahrstag wollten wir etwas ganz Spezielles unternehmen. 

Von Puebla aus führt eine schmale Schotterstraße auf den 3600 hohen Paso de Cortez, dem Sattel zwischen den beiden Vulkanen Popocatepetl und Ixtaccihuatl.  Die Sicht war klar, was ja nicht allzu oft vorkommen soll, also fuhren wir rauf.  Zahlreiche Mexikaner hatten die gleiche Idee und so konnten wir das beliebte Spiel - "Wie viele Mexikaner passen auf einen Pick-Up?" - spielen. 

 

Das Gebiet gilt als die höchste Kiefernregion der Erde, der "Popo" mit seinen 5452 m beheimatet den einzigen tropischen Gletscher Amerikas, wenn auch nur mehr in Resten. 

 

Die ganze Region ist als Nationalpark geschützt, es gibt eine endemische Flora und Fauna.  Seit 1994 grollt und raucht der "Popo" wieder und darf nicht bestiegen werden, der letzte richtige Ausbruch war 1802.  

Die dünne Luft und der kalte Wind hätten uns ohnedies von einer größeren Besteigungs-Expedition abgehalten.  Aber einen kleinen Video-Clip von der einzigartigen Landschaft haben wir schon gedreht, wenn auch der Wind die Tonqualität stark beeinträchtigte. Die Indios der Umgebung nennen den Popo übrigens ehrfurchtsvoll Don Gregorio und versuchen ihn durch Opfergaben still zu halten. 

Der Nachbar-Vulkan Ixtaccihuatl, die weiße Dame,   kann bestiegen werden. Wenn man ihn von westlicher Richtung betrachtet, soll er in der Tat der Form eines weiblichen Körpers ähneln.  Er ist mit 5285 m nur unwesentlich niedriger als der "Popo" und nimmt den Rang drei der mexikanischen Berge ein. 

Der höchste Berg Mexikos, der Pico de Orizaba, war bei unserem Ausflug, in der Ferne über der Smog-Glocke von Puebla, ebenfalls zu sehen. 

 

 

 

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Stand: 14.02.2007