13-Nordostindien
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India, my love 

 
Letzte Station unseres "Big Circle around the world" - Indien. Man hasst oder man liebt es und kommt immer wieder.  Vom 17. April bis 29. Juni tauchten wir wiederum ein, in  "Magic India". Diesmal nutzten wir die Gelegenheit, die sich durch die Ankunft von der Ost-Seite bietet: Endlich einmal nach Kalkutta schauen, der kontroversen Stadt der Armen und der Intellektuellen Indiens und danach hoch nach Darjeeling, dem Teegarten am Fuße des Himalayas.  Den Abschluss bildete wiederum eine Reise nach Innen im Osho Ashram von Pune - es war Zeit, endlich die Augen zu schließen und den inneren Mysterien zu folgen. 

Kalkutta (neuerdings Kolkata) - jenseits von Mutter Theresa

Kalkutta ist im Westen wohl Synonym für furchtbarste  Armut und die Retterin aller verlorenen Kinder der Stadt, Mutter Theresa und ihrem Orden der Barmherzigkeit. Durch unsere vorherigen Indien-Aufenthalte wussten wir allerdings auch, das Kalkutta über ein reges Literatenleben und philosophische Zirkeln verfügt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Kalkutta Hauptstadt der britischen Kronkolonie. Dann wurde der Regierungssitz wegen der starken Unabhängigkeitsbewegung in der Stadt nach Neu Delhi verlegt. Kalkutta büßte nach der Unabhängigkeit noch mal etwas von seinem Einfluss ein, als das gesamte Hinterland an den neu gegründeten Saat Ost-Pakistan (später Bangladesh) verloren ging. 

Wir blieben nur für eine Kurzvisite von 2 Tagen und wurden in dieser Zeit positiv für die Megametropole gestimmt, nach dem wir zuvor das schlimmste erwartet hatten. Nicht die Armut und das Elend, das natürlich nicht zu übersehen ist, sondern die freundlichen Bengalen, die mit großen Anstrengungen versuchen, aus Kalkutta eine lebenswerte Stadt zu machen, werden in unserer Erinnerung bleiben.  Ein paar Beispiele: Es gibt hier die einzige U-Bahn-Linie Indiens, das majestätische Victoria Memmorial wird gerade vom 100jährigen Staub befreit und das Ufer der riesigen Hoogli-Rivers wurde zu einem wunderbaren "Milleniums-Park" gestaltet. Wir waren an einem gewöhnlichem Sonntag-Nachmittag an dem Ort und ließen uns gerne von der guten Stimmung der unzähligen Besucher anstecken. 

Abgestiegen sind wir in einer Hotel-Institution Kalkuttas, dem Fairlawn-Hotel. Es handelt sich im Grunde um ein Gästehaus mit 9 Zimmern in einer alten britischen Villa, deren armenische Besitzerin seit über 60 Jahren das Haus mit typisch britischem Flair betreibt. Der Standard ist natürlich jenseits aller Stern-Klassifizierungen, entspricht eher dem eines lebenden Museums. Durch die fixe Vollpension trifft man alle Gäste des Hauses zu den Malzeiten und wir sahen, dass ein internationales Weltpublikum vorherrscht, selbst Filmstars, wie Patrick Swazy, logieren dort. 

Das Fairlawn-Hotel liegt im ältesten Stadtteil Kalkuttas, ein großer Markt war nur unweit entfernt und wir sahen in die Gassen die berühmt-berüchtigten Rigshaws, die noch per Hand gezogen werden. Aber wenigstens verpesten diese nicht die Luft und ein Arbeitsplatz ist es auch!

Von unserem Hotel konnten wir auch zu Fuß zum riesigen Areal des Victoria Memmorials spazieren, natürlich erst am späten Nachmittag, wenn die brütende Hitze in der Stadt etwas nachließ. Und wieder trafen wir dort die netten Bengalen, die sich in den Wiesen um das V.M. tummelten.

Darjeeling und der Himalaya rufen!

Wir hatten schon bei der Reiseplanung beschlossen, uns nicht mit den innerindischen Bahnstrecken zu quälen, sondern wählten den komfortableren Luftweg.  Und tatsächlich, die Indian Airlines haben uns nicht enttäuscht, stets erreichten die Flieger rechtzeitig ihre Destinationen. Von Kolkata flogen wir nach Baghdogra, dem kleinen Regionalflughafen im Tiefland, 80 km von Darjeeling entfernt. Wir charterten dort ein Taxi und rauf ging's nach Darjeeling die enge Straße mit den unzähligen Kehren. 

 

Unglaublich, dass über dieses "Straßerl" der gesamte Personen- und Gütertransport in die Region am Himalaya erfolgt, abgesehen von den bescheidenen Kapazitäten des Toytrains. 

Oben angekommen suchten wir uns sofort unser Hotel, das wir bereits per Internet-Reservierung gebucht hatten. Dabei schleppten wir unser gesamtes Gepäck alleine über einen steilen Weg, weil wir nicht bereits bei der Ankunft von den Sherpas übers Ohr gehauen  werden wollten .... 

  

Das Hotel erwies sich als ehrwürdiger Holz-Kolonial-Bau, ziemlich am höchsten Punkt von Darjeeling, direkt neben dem schönsten Tummel-Platz der Stadt, der Chowrastra. Der Manager ist ein Exil-Tibeter, entsprechend freundlich war das Personal aber auch bescheiden der hygienische Standard des Hotels. Da wir mit dem Wetter etwas Pech hatten, es regnete praktisch jeden Tag, die Temperaturen am Tage bewegten sich dabei um die 10 ° C, hatten wir oft das Gefühl, in einer österreichischen Almhütte zu sitzen und froren also ziemlich.

Zum Glück wird hier noch die wunderbare britische Einrichtung der Teatime mit herrlichem Darjeeling-Tee  zelebriert und diese lockte uns dann doch jedes mal unter der wärmenden Bettdecke hervor.  

 

Darjeeling ist im europäischen Sinn keine schöne Stadt. Ca. 100.000 Menschen leben in diesem Ort, wo bei uns vielleicht 10.000 wohnen würden. Entsprechend eng geht es in den Straßen zu, der Verkehr ist mörderisch, aber es gibt auch reine Fußwege als Verbindung zwischen den verschiedenen Stadtteilen. Es herrscht ein unglaubliches Völker-Gemisch: Inder, Nepali, Tibeter ua. teilen sich die engen Gassen. Aber die Umgebung ist herrlich: überall kann man die grünen Teegärten an den Hängen sehen und in der Ferne erhebt sich majestätisch das Dach der Welt ...

In der Woche unseres Aufenthaltes wollten wir unbedingt 4 Dinge sehen:

1. Die Schmalspurbahn - der Toytrain:

Dieser "Lilliput-Zug" schnauft die steile Strecke nach Darjeeling herauf und bewältigt dabei in sieben Stunden  2500 Höhenmeter. Möglich war dies nur durch die Anlage von "Spitzkehren" und "Schraubkehren" - eine Meisterleistung der britischen Ingenieure! Die Zuggarnituren wurden in den 1990er Jahren liebevoll renoviert.

 

Wir machten einen "Joytrip" mit dem "Toytrain", der uns zu dem berühmtesten Loop brachte. Man stelle sich vor: Der Zug schraubt sich in einem vollem Kreis auf die nächste Etage! Die Inder lieben diesen Zug ebenso, weshalb man immer im voraus Tickets besorgen muss. 

Hier geht's zum Video für die Zug-Fans: http://www.p5c.at/Tour03-04/videos/joytrain.WMV

2. Der Zoo mit der typischen Himalaya-Tierwelt:

Ein schöner Spaziergang führte uns zu diesem einzigartigen zoologischen Garten. Die Tiergartenleitung betreibt dort ein Zuchtprojekt für gefährdete Tierarten, die dann in ihre artgemäßen Lebensräume wieder ausgesiedelt werden. 

Besonders faszinierten uns die roten Pandas, die wie eine große Kreuzung aus Waschbär und Fuchs aussehen. Der Tierpfleger war so nett, uns das Gehege für den Fototermin zu öffnen.

Am Eingang des Parks wartete ein riesiger Kragenbär auf Kundschaft. Und wirklich, irgendwie hatte er Freude, mit den Menschen Kontakt aufzunehmen.  Dabei dürfte das Nahrungsbetteln aber keine Rolle spielen, die großteils indischen Besucher halten sich erfreulicherweise sehr genau an das allgemeine Fütterungsverbot.

Eine Rarität stellen auch die wunderbaren Schneeleoparden dar.  Das dicke Fell lässt die Tatzen riesig und seidenweich zugleich erscheinen. Leider lässt dieser Umstand auch die Damenwelt der Haute volée schwach werden, was die Tiere an den Rand der Ausrottung gebracht hat. 

3. Die berühmten Teegärten:

Über 80 Teeplantagen gibt es in Darjeeling. Sie wurden von den Engländern Mitte des 19. Jh. angelegt, weil man das chinesische Tee-Monopol damit brechen wollte. In der Höhenlage von Darjeeling entwickeln sich die Blätter besonders zart und außerdem kann auf das Versprühen von Insektiziden verzichtet werden. 

Darjeeling ist zwar frostfrei aber die Tee-Büsche haben eine Winterruhe und treiben erst im März wieder aus. Die erste Ernte der Spitzen (es werden nur die drei letzten Blätter eines Triebes abgezwickt) hat die höchste Qualität und wird als First Flush (erstes Erblühen) bezeichnet.

Wir machten eine Führung durch die Produktionshallen des "Happy Valley Tea Estate" und waren von den altertümlichen Maschinen beeindruckt. Die Teepflückerinnen wohnen mit ihren Familien auf der Plantage und es bestehen eigene Schulen für den Nachwuchs. Doch sind die Arbeitsbedingungen wie die Maschinen seit dem 19. Jh unverändert: Ein Teepflückerin muss jeden Tag 8 Kg der feinen Blättchen pflücken und zur Fabrikshalle bringen. Dort durchlaufen die Blätter einen 5-Phasen-Prozess: Welken, Fermentieren durch das Rollen der Blätter, Trocknen, Sieben und Abfüllen. Das ganze dauert nicht mal 2 Stunden!

 

4. Das phantastische Bergpanorama bei Sonnenaufgang:

Die Sicht auf das Dach der Welt, den gewaltigen Gebirgsstock des Himalaya, war wohl der Hauptgrund für unseren Besuch Darjeelings. 

Leider war das Wetter derart miserabel, dass wir schon befürchten mussten, ohne Blick auf die Achttausender wieder abreisen zu müssen. Jeden Tag stellten wir uns den Wecker auf 4 Uhr früh, um ja nicht ein Schönwetter-Fenster zu versäumen.  Und siehe da - am vorletzten Tag zeigte sich um vier ein Sternenhimmel! Also raus aus den Federn und hin zum Panoramaweg, der nur 10 Minuten von unserem Hotel entfernt war.

Ein wahrhaft erhebender Blick tat sich auf: Der schlummernde Himalaya wurde von den ersten Sonnenstrahlen erweckt. Direkte Sicht hatten wir auf den Kanchendzonga, Indiens höchsten Berg mit  8600 m.

Hier offenbart sich leider die schwache Qualität der Digi-Cam!

 

Pune - leben im Paradies und looking inside

Nach so vielen phantastischen Reiseeindrücken reifte in uns das Bedürfnis, die äußere Welt mal für eine Zeit zurückzulassen. Also gingen wir ins "Kloster", in Indien heißt so etwas Ashram, zum Meditieren. 

Wie bereits vor vier Jahren waren wir im Osho Meditation Ressort bestens aufgehoben und nutzten die Zeit intensiv, den Kopf leer zu bekommen. Dass uns dabei das Ressort mit herrlicher Umgebung und ebensolchem Essen unterstützte, sei nur am Rande erwähnt. 

 

Pune selbst machte in den vier Jahren unserer Abwesenheit eine rasante Entwicklung mit. Das alte Indien wird immer mehr zurückgelassen, die Moderne hält unbeirrbar ihren Einzug. Autobahnen werden gebaut, fast an jeder Ecke gibt es einen Bankomaten zur Geldbehebung (spucken immer neue Scheine aus!) und schicke Cafehäuser lassen selbst den verwöhnten Europäer nicht kalt. 

Bei genauem Hinsehen aber, kann man das mystische Indien schon noch aufspüren. Wo liegen bei uns Kühe auf der Straße herum, gehen Elefanten zur Rush-hour auf den Boulevards spazieren, lachen Kamele und Eseln in die Kamera und verstellen einem Wasserbüffel den Weg?

  

Fazit: 

Indien ist so faszinierend wie eh und je, selbst der Wandel ist beeindruckend, wir haben noch lange nicht genug davon!

PS: Wer noch Gusto auf mehr Indien hat, kann sich unseren Bericht von der Reise im Jahr 2000 zu Gemüte führen: Projekt 5 Kontinente: Indien 2000

 

 

 

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Stand: 14.02.2007