Die
Wiedereinreise in die USA
Der Rio Grande trennt
Mexiko von Texas, wir fuhren bei Ciudad Ancuna über den großen Fluss,
der meist nur als trauriges Rinnsal in einem gewaltigen Flussbett
dahinvegetiert.
Wir waren gespannt,
wie uns die Amis als Rückkehrer empfangen werden und rechneten mit
stundenlangen Formalitäten. Es kam wieder einmal anders: Das Auto wurde
praktisch nicht kontrolliert, dafür gab es Troubles mit unseren
Touristenkarten. Wir gaben diese zwar bei der Ausreise in San Diego ab,
aber der Grenzbeamte hat uns im Computer nicht ausgetragen. Natürlich
wurde unsere Version der Geschichte von den Grenzern bezweifelt, aber
"gnadenhalber" erteilten sie uns die Einfuhrbewilligung bis zu
unserem Abflug im April. Happy wollten wir schon das Gebäude verlassen,
als uns plötzlich eine Rechnung von ca $ 7,00 pro Nase präsentiert
wurde, die nur in bar und in $ zu begleichen war und wir natürlich
keine dabei hatten. Also mussten wir den Fußmarsch über die
lange Brücke zurück nach Mexiko antreten, dort Pesos vom
Bankomat abheben und diese in $ wechseln - mühsam - aber nach einer
Stunde hatten wir auch dies bewältigt und wir befuhren zum ersten Mal
die breiten Straßen der Texaner.
Wir bemerkten sofort,
dass man mit einigen Klischees aufgeräumt hatte. Kaum jemand trägt
noch den berühmten Texaner-Hut, die Leute reden ein ziemlich
akzentfreies Englisch und die Longhorn-Rinder werden nur noch hier und
da, wahrscheinlich als Kuriosität, gehalten. Auch schwimmen hier
längst nicht alle Leute im (Öl-)Geld, wir durchfuhren oft erbärmliche
Ortschaften.
Big
Bend Nationalpark - total abgelegen und doch so beliebt
Dieser Nationalpark
war unser erstes großes Ziel in Texas. Er liegt in einem großen Knie
(daher Big Bend) des Rio Grande und bietet fantastische Fluss-, Wüsten-
und Gebirgslandschaften.

Wir erwarteten totale Einsamkeit, doch
weit gefehlt: Zahlreiche als "Snowbirds" bezeichnete
Pensionisten aus den Nordstaaten belegten die Campingplätze, doch wir
fanden mit unserem kleinen VW noch ein nettes Plätzchen.

Der Campground wurde
auch immer wieder von "Roadrunnern" heimgesucht, die von den Pfützchen mancher Wasserstellen tranken und dann wieder ins Gebüsch
"abdüsten". Diese Vögel sind wirklich einzigartig: Sie
können einen Topspeed von 40 km/h erreichen und laufen deshalb lieber
als sie fliegen, obwohl sie den "Flugschein" ebenfalls
besitzen. Lieblingsspeise sind Skorpione, Spinnen und anderes
Kriechgetier.
Ein zweiter Vogel
wurde uns ebenfalls zum liebenswerten Gast: Ein scharlachroter Kardinal
hatte Gefallen an seinem Spiegelbild in einem unserer Außenspiegel
gefunden.

Die
ganze unglaubliche Szene kann auch als
Video-Clip betrachtet werden.
Wir blieben ein paar
Tage und erforschten die verschiedenen Zonen des Parks. Der Rio
Grande hatte sich durch gewaltige Gebirge seinen Weg gebahnt und
hinterließ dabei interessante Canyons, die man bei Niederwasser
erwandern kann.

Apropos Niederwasser: Der Wasserstand des Flusses sinkt
ständig, aufgrund der hohen Wasserentnahmen, und letztes Jahr ist der
Fluss sogar zum Stillstand gekommen! Handlungsbedarf für die Amis und
Mexikaner, aber es wird sich wohl Nichts zum besseren Verändern!

Wir unternahmen auch
eine Radtour zu heißen Quellen, die dann als stundenlange Fußwanderung
endete, weil Michaels Rad einen Platten hatte. Die Wanderung war so
anstrengend wie interessant. Wir glaubten zunächst, dass wir auf dem
Trail immer den Fluss entlang bis zu unserem Campground gehen konnten.

Dann zweigte der Weg jedoch in die Berge hinein ab und wir mussten oft
mit geschulterten Rädern über Stock und Stein klettern. Noch dazu
baute sich eine Gewitterfront vom Westen her auf, die uns eher zur Eile
trieb als zum Verweilen einlud.

Dafür wurden wir mit
Wüstenfeeling pur belohnt. Einige der Kakteen fingen gerade zu blühen
an und wir fanden auch ein schönes Exemplar der "Rose von
Jericho" für zu Hause.

Glücklich, trockenen Fußes und
müde erreichten wir schließlich das Camp.

Die Erforschung der
spektakulären Gebirgskette des Parks mussten wir leider auf eine
Autofahrt reduzieren, weil das Wetter nun wirklich umschlug und Regen
mit starken Windböen brachte. So konnten wir keine Pumas aufstöbern,
die dort in größerer Zahl vorkommen.
Als Ausfahrt aus dem
Park wählten wir eine Schotterstraße und genossen dort noch einmal die
herrliche Wüstenlandschaft.

San
Antonio - wo das
mexikanische Herz Texas noch stark schlägt
Vom Nationalpark bis
San Antonio sind es ca. 1000 Km. Wir legten daher 3 Zwischenstopps ein.
Texas verfügt über ein sehr gut ausgebautes Netz an Stateparks, die
neben toller Landschaft auch allen Camper-Komfort, wie Stromanschlüsse
und Warmwasserduschen, bieten.
San Antonio hat uns
von den besuchten Städten in Texas am besten gefallen. Im historischen
Zentrum bietet es ein interessantes Baustilmix aus alten Gemäuern, wie
die Reste des Forts Alamo, und modernen Hochhäusern.

Das Fort Alamo war
zur Zeit unseres Besuches gerade eine besonders beliebte Kultstätte
wegen des neuen Hollywood-Schinkens "Alamo", der die
Geschichte wieder mal aus Ami-Sicht erzählt. Eigentlich war Texas ja
ursprünglich einmal Teil von Mexiko ...
Das interessanteste an
San Antonio ist zweifellos der "Riverwalk" - ein Netzwerk aus
tief liegenden Kanälen, das die Altstadt durchzieht und an dessen Ufern
Fußwege sowie zahlreiche Kneipen anzutreffen sind.

Man kann sich auch
mit Booten durch die Kanäle schippern lassen. Besonders in der heißen
Jahreszeit muss es sehr angenehm sein, dort zu flanieren!

Austin
- Texas sympathische Hauptstadt


Ca. 100 Meilen
nördlich von San Antonio gelegen, glänzt Austin mit dem, zu seiner
Bauzeit, größten Capitol des Landes sowie einem netten
historischen und zugleich modernen Business-Zentrum. Der Austin durchziehende
Colorado-River (nicht zu verwechseln mit dem Colorado des Grand Canyon)
bietet an seinen Ufern Erholungsparks und wartet mit einer Brücke als
Weltsensation auf: In den bautypischen Rinnen der Fahrbahnunterseite
nisten sich bis zu 1, 5 Millionen Fledermäuse ein, die, besonders im
Spätsommer, ein imposantes Bild beim Ausflug zur Dämmerung
abgeben.

Bei unserem Besuch waren nur ein paar Tausend da, der
Rest vergnügte sich noch in Mexiko und kommt erst Ende März zurück
nach Austin, wo dann im Frühsommer die Jungen geboren werden. Wir
gönnten ihnen den Urlaub in Mexiko und waren auch mit der kleinen
"Fledermaus-Wolke" zufrieden.
Wir wohnten wieder mal
auf einem nahegelegenen Statepark-Campground, der neben der Stadtnähe
auch einen ansprechenden Walkingtrail bot.

Außerdem konnten
konnten wir in Austin einen
Meilenstein der modernen Kommunikation setzen: Es gelang
uns erstmals, "drahtlos" - neudeutsch "wireless" -
ins Internet einzusteigen! Dank WIFI-Card (hat nichts mit dem
Wirtschaftsförderungs-Institut zu tun) und den zahlreichen
Sendestationen bei öffentlichen Büchereien, Starbuck-Cafes, Flugplätzen, Truckstops und Campgrounds, können wir ab jetzt drahtlos
und meist auch sehr schnell Daten im WEB austauschen. Teilweise konnten
wir eine freie Verbindung herstellen, meist muss man sich jedoch bei einem
Wireless-Provider kostenpflichtig einloggen. Es hat schon was für sich,
E-Mails, Bankgeschäfte, Buchungen etc. gemütlich vom VW-Camper aus
durchzuführen!
Houston
- wo der amerikanische Traum zum Albtraum wird
In Houston rächt sich
die Vernachlässigung des öffentlichen Verkehrs total. Es werden zwar
immer mehr Autobahnringe gebaut, doch der Verkehrsinfarkt droht
jederzeit, bei Tag und sogar bei Nacht! Wir besuchten das Zentrum
einmal und selbst das erwies sich als unnötig: Seelenlose amerikanische
Großstadtarchitektur, selbst der Park im Süden des Zentrums konnte uns
, trotz der interessanten Museen-Ansammlung, nicht begeistern.
Also
zog es uns schnell Richtung Galveston
ans Meer, in der Hoffnung, dort Beschaulicheres vorzufinden. Die
Golfküste war zwar wieder recht uninteressant, aber das Örtchen hatte
mit ein paar netten Straßenzügen, dem NASA-Zentrum und den
Moody-Gardens aufzuwarten. Dabei handelt es sich um drei Pyramiden, die
dem Ozean, dem Regenwald und der Forschung samt IMAX-Kino gewidmet
sind.
Wir besuchten die
Rainforest-Pyramide und waren vom Gebotenen sehr angetan. Unsere
Erinnerungen an den Regenwald in Palenque lebten
wieder auf.

Besonders die
tropischen Vögel, die Flusslandschaft mit den riesigen Fischen und
die Fledermaus-Höhle fanden unseren ungeteilten Beifall.

Aber auch die
tropische Pflanzenwelt wurde nicht vernachlässigt. Am Foto sieht man
Bromelien, die als Epiphyten auf Bäumen leben.

Die
blutsaugenden Insekten aber, gingen uns gar nicht ab ...
Von Galveston konnten
wir per kostenlosem (!) Fährschiff den Meeresarm überqueren und uns so
die Fahrt über den Großraum Houstons ersparen. Über stinkende
Ölfelder ging es dann auf der Interstaate 10 sehr schnell nach
Louisiana, das uns mit seinem französischen Charme begeistern wird.