12-Thailand
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Endlich in Asien  ...

 

Nach neun Monaten Amerika waren wir wirklich reif für das buddhistische Asien. Wir sehnten uns nach Stille und Meditation. Dabei war Thailand zugleich auch Neuland für uns, bisher hatten wir um diese Touristen-Hauptdestination mit seinen unerwünschten Nebenwirkungen stets einen Bogen gemacht. Doch diesmal, von Osten kommend, lag Thailand praktisch am Weg nach Indien, zu verführerisch, um nicht einen Zwischenstopp einzulegen. 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir waren vom Land und den Leuten begeistert! Allein das autoritäre Regime passt nicht so recht ins Bild eines sanften, buddhistischen Staates und als Mann von tadellosem Ruf sollte man in Thailand nicht alleine  unterwegs sein ...

Zwei angenehme Wochen verbrachten wir im alten Siam. Bei unserem gemächlichen Reisetempo mussten wir uns natürlich auf wenige Plätze beschränken. Also planten wir eine Woche Bangkok und eine Woche Urlaub irgendwo am Strand. Wir lernten aus dem Lonely- Planet-Reiseführer, dass unser Lieblingsziel Phuket zu dieser Jahreszeit schon vom Südwestmonsum heimgesucht wird, daher blieben uns die Destinationen am Golf von Thailand. Mit dem Zug wollten wir fahren, um das Land zu sehen. Dabei kommt man am alten, neuerdings aufstrebenden,  königlichen Seebad Hua Hin nach nicht mal vier Stunden Zugfahrt vorbei - ideal für einen Badeurlaub, jenseits des Trubels von Pattaya. 

 

Bangkok - Thailands brodelnde Metropole

Jeder Asien-Traveller landet irgendwann einmal in Bangkok, sei es auch nur für einen Zwischenstopp. Entsprechend groß ist daher die Travellerszene, besonders im Stadtteil Banglamphu. Die Khao San Road ist wahrscheinlich der Platz in der Welt mit den meisten Rucksackreisenden und bietet deshalb auch ein riesiges Angebot an günstigen Unterkünften. Wir hatten vorweg bereits im Internet ein "besseres" Hotel zu doch noch moderaten Preisen ausgesucht und ein Zimmer gebucht, weil unser Flieger erst um 23.00h in Bangkok landete. Die Erfahrung lehrte uns, nicht um Mitternacht mit der Zimmersuche zu beginnen. 

 

 

Als wir in der Khao San Road ankamen, war das Leben auf der Straße gerade am Höhepunkt angelangt. Vor lauter Verkaufsständen und Menschen hatten wir Schwierigkeiten, die 100 m bis zum Hotel zurückzulegen, ja selbst dieses zu finden! 

Aber die "Buddy Lodge" begeisterte uns sofort. Ein wunderbar, im thailändischen Stil, eingerichtetes Zimmer mit angenehm schnurrender Aircondition empfing uns und wir fielen flugs in einen traumlosen Schlaf. Morgens labten wir uns am Frühstücksbüfe und dann wagten wir uns erstmals hinaus, in die 45 ° tropischer Hitze.  Nicht all zu lang hielten wir der Hitze stand, dann flüchteten wir wieder in die klimatisierten Gemächer! Die Akklimatisierung forderte ihr Tribut, aber jeden Tag genossen wir das Wetter immer mehr. Wir sind halt  Kinder der Sonne, die Polkappen werden wohl nie unsere Destination sein. Gerne ließen wir uns am Ende eines Tages von einem Thai-Masseur so richtig "durchbiegen" und wurden am Ende unseres Aufenthalts beinahe süchtig, nach dieser "Folter-Methode".  

Verpflegen konnten wir uns dort sehr einfach an den Straßenküchen, die herrliche Nudeln mit frischem Gemüse bruzelten und als Nachtisch waren die Banana-Pancakes unschlagbar!

Lediglich das Angebot an Kriechtieren konnte unseren Appetit nicht anregen!

Bangkok, mancherorts als Großstadtmoloch bezeichnet, faszinierte uns vom ersten Tag an. Wir genossen das internationale Flair der Khao San Road ebenso wie die vielen wunderbaren Tempelanlagen, die die pulsierende Großstadt vergessen ließen.  Bangkok wurde auch als Verkehrsalptraum bezeichnet, doch als Tourist kann man die Stoßzeiten meiden und außerdem gibt es eine Vielzahl von nutzbaren Verkehrsmitteln: Günstige A/C-Taxis, Linienboote auf den Kanälen (den Klongs), Schiffe auf dem großen Fluss, die Hochbahn (Skytrain) und neuerdings auch eine U-Bahn.

 Busse benutzten wir nie und die Tuktuks haben wir nur selten bestiegen. Die,  zwar freundlichen,  Fahrer wollen einen beinahe immer  zu irgend einem Markt abschleppen, um dort Provisionen zu lukrieren. 

Bangkoks Hauptattraktion ist der königliche Palastbezirk mit den eingeschlossenen und umgebenden Tempelanlagen. 

 In der Tempelanlage Wat Pho konnten wir den größten liegenden Buddha der Welt bewundern. Er ist über 46 m lang und symbolisiert Buddhas Übergang ins Nirvana.  

Im Palastbezirk kann man neben den Gemächern der königlichen Familie den Wat Phra Kaew besuchen, der den berühmten Emerald Buddha beherbergt. 

 

Es handelt sich um eine Statue aus purer Jade, die Jahrhunderte lang unter einer Gipsverkleidung verborgen war.  Fotografieren ist leider verboten. Er wurde von laotischen Invasoren verschleppt und erst 200 Jahre später nach Thailand zurückgeführt.  Er genießt die höchste Verehrung durch die königliche Familie und drei kostbare Roben werden je nach Jahreszeit der Statue angelegt. 

 

In Chinatown besuchten wir den Tempel des goldenen Buddha (Wat Traimit). Die Statue aus solidem Gold ist beachtliche 3 m hoch, wiegt 5,5 Tonnen und erstrahlt deshalb in unvergleichlichem Glanz (wenn auch etwas unscharf am Foto)!!

Zum Abschluss der Tempel-Geschichten (es gibt Hunderte!) wollen wir noch den Marmor-Tempel  (Wat Ben) erwähnen, weil er wirklich aus Carrara Marmor gebaut ist und über eine wunderbare Architektur verfügt. Dabei ist die Anlage erst 100 Jahre alt! 

Neben den zahlreichen Tempeln haben wir uns auch den alten Königspalast, die Vimanmek Teak Mansion, angesehen. 

Es ist das größte Teakgebäude der Welt und diente König Rama dem V bis 1935 als Residenz. Es wurde in den 1980er Jahren vorbildlich restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

 

Sehr genossen wir dort auch eine Aufführung der klassischen thailändischen Tänze, wobei Michael sogar als Schwertkampf-Komparse herhalten musste. 

  

Die Szenerie am großen Fluss, dem Mae Nam Chao Phraya, ist wahrlich pittoresk: Langboote zischen mit Höllenlärm vorbei, während sich die Fähren eher gemächlich in den Wellen wiegen.

 Und ab und zu kann man eine Art hölzerne Dschunke beobachten, von den königlichen Barken ganz zu schweigen. 

Wir nutzten den Fluss als Verkehrsmittel wie die zahlreichen befahrbaren Kanäle, die Klongs.

 

Dabei muss man allerdings die Verschmutzung der Gewässer beachten, besonders wenn zwei Passagier-Kähne aneinander vorbeibrausen. Die Schutzplane kann leider nicht immer einen vollen Schwall brauner Brühe abhalten, also galt es die Kamera immer gut zu verstecken. Aber zu Stoßzeiten ist die abenteuerliche Fahrt in den Klongs unschlagbar kurz und billig zugleich. 

 

Nichts wie hin, nach Hua Hin

Nach der Hitze Bangkoks freuten wir uns schon auf die Woche Strandurlaub.  Die Zugsfahrt ins 200 Km entfernte Hua Hin gestaltete sich sehr abwechslungsreich: Reisfelder prägten die Szenerie und auf den Hügeln konnten wir immer wieder Tempeln mit oft gigantischen Buddhastatuten davor erspähen. 

Hua Hin war jahrzehntelang ein verschlafener, rein thailändischer Badeort ehe es vor ein paar Jahren von der internationalen Hotellerie wachgeküsst wurde. 

So sieht also ein königlicher Bahnhof in Thailand aus ...

Ergebnis ist ein - noch -  interessanter Mix aus altem Fischerdorf und moderner Hotelzone. Leider werden die alten, malerischen Stelzbauten am Strand immer mehr verdrängt und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sie ganz verschwunden sein werden. Das Wasser ist herrlich warm, wenn auch nicht so klar, dass man unbedingt einen Tauchgang unternehmen möchte. 

  

Wir verbrachten jedenfalls eine geruhsame und interessante Woche in Hua Hin. Interessant vor allem deshalb, weil wir Zeuge des thailändischen Songkran Festes (thail. Neujahr) sein durften. Dabei versinkt ganz Thailand am Höhepunkt der Hitzewelle in einer wirklich fröhlichen Wasser- und Kreideschlacht. Die sonst so typische Zurückhaltung wurde von allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen  zu Gunsten einer feucht-fröhlichen Wasserorgie aufgegeben , deren Ziel natürlich in erster Linie die Ausländer darstellten. Unzählige Male wurden wir mit Wasser aus Kübeln überschüttet oder aus gigantischen Spritzpistolen beschossen und dabei jedes mal mit einem freundlichen "happy new year" begrüßt.  Pudelnass setzten wir dann unseren Weg fort, was kein großes Problem war sondern eine Wohltat angesichts der 40 ° Hitze.  Hintergrund des Wasserfestes ist eine rituelle Reinigung, was auch durch große Reinigungsaktionen in Wohnhäusern und auch auf öffentlichen Plätzen zum Ausdruck kommt.

Bei der Rückfahrt erlebten wir, welche Dimensionen die thailändische Gastfreundschaft für Touristen annehmen kann: Wir fanden nach dem Einstieg in den Zug unsere Tickets nicht mehr und glaubten, nun neue kaufen zu müssen. Weit gefehlt, der "Zugbegleiter" fragte nur ob wir die Plätze reserviert hätten, dann war die Sache für ihn in Ordnung und wir wurden nicht weiter behelligt. 

 

 

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Stand: 14.02.2007