Nach neun
Monaten Amerika waren wir wirklich reif für das buddhistische Asien.
Wir sehnten uns nach Stille und Meditation. Dabei war Thailand zugleich
auch Neuland für uns, bisher hatten wir um diese
Touristen-Hauptdestination mit seinen unerwünschten Nebenwirkungen
stets einen Bogen gemacht. Doch diesmal, von Osten kommend, lag Thailand
praktisch am Weg nach Indien, zu verführerisch, um nicht einen
Zwischenstopp einzulegen.
Um es
gleich vorweg zu nehmen: Wir waren vom Land und den Leuten begeistert!
Allein das autoritäre Regime passt nicht so recht ins Bild eines
sanften, buddhistischen Staates und als Mann von tadellosem Ruf sollte man in
Thailand nicht alleine unterwegs sein ...
Zwei
angenehme Wochen verbrachten wir im alten Siam. Bei unserem
gemächlichen Reisetempo mussten wir uns natürlich auf wenige Plätze
beschränken. Also planten wir eine Woche Bangkok und eine Woche Urlaub
irgendwo am Strand. Wir lernten aus dem Lonely- Planet-Reiseführer,
dass unser Lieblingsziel Phuket zu dieser Jahreszeit schon vom
Südwestmonsum heimgesucht wird, daher blieben uns die Destinationen am
Golf von Thailand. Mit dem Zug wollten wir fahren, um das Land zu sehen.
Dabei kommt man am alten, neuerdings aufstrebenden, königlichen
Seebad Hua Hin nach nicht mal vier Stunden Zugfahrt vorbei - ideal für
einen Badeurlaub, jenseits des Trubels von Pattaya.
Bangkok
- Thailands brodelnde Metropole
Jeder Asien-Traveller
landet irgendwann einmal in Bangkok, sei es auch nur für einen
Zwischenstopp. Entsprechend groß ist daher die Travellerszene,
besonders im Stadtteil Banglamphu. Die Khao San Road ist wahrscheinlich
der Platz in der Welt mit den meisten Rucksackreisenden und bietet
deshalb auch ein riesiges Angebot an günstigen Unterkünften. Wir
hatten vorweg bereits im Internet ein "besseres" Hotel zu doch
noch moderaten Preisen ausgesucht und ein Zimmer gebucht, weil unser
Flieger erst um 23.00h in Bangkok landete. Die Erfahrung lehrte uns,
nicht um Mitternacht mit der Zimmersuche zu beginnen.

Als wir in der Khao
San Road ankamen, war das Leben auf der Straße gerade am Höhepunkt
angelangt. Vor lauter Verkaufsständen und Menschen hatten wir
Schwierigkeiten, die 100 m bis zum Hotel zurückzulegen, ja selbst
dieses zu finden!

Aber die "Buddy Lodge" begeisterte uns
sofort. Ein wunderbar, im thailändischen Stil, eingerichtetes Zimmer
mit angenehm schnurrender Aircondition empfing uns und wir fielen flugs in einen traumlosen Schlaf. Morgens labten wir uns am Frühstücksbüfe
und dann wagten wir uns erstmals hinaus, in die 45 ° tropischer
Hitze. Nicht all zu lang hielten wir der Hitze stand, dann
flüchteten wir wieder in die klimatisierten Gemächer! Die
Akklimatisierung forderte ihr Tribut, aber jeden Tag genossen wir das
Wetter immer mehr. Wir sind halt Kinder der Sonne, die Polkappen
werden wohl nie unsere Destination sein. Gerne ließen wir uns am Ende
eines Tages von einem Thai-Masseur so richtig "durchbiegen"
und wurden am Ende unseres Aufenthalts beinahe süchtig, nach dieser
"Folter-Methode".
Verpflegen konnten wir uns dort
sehr einfach an den Straßenküchen, die herrliche Nudeln mit frischem
Gemüse bruzelten und als Nachtisch waren die Banana-Pancakes
unschlagbar!

Lediglich
das Angebot an Kriechtieren konnte unseren Appetit nicht anregen!

Bangkok, mancherorts
als Großstadtmoloch bezeichnet, faszinierte uns vom ersten Tag an. Wir
genossen das internationale Flair der Khao San Road ebenso wie die
vielen wunderbaren Tempelanlagen, die die pulsierende Großstadt
vergessen ließen. Bangkok wurde auch als Verkehrsalptraum
bezeichnet, doch als Tourist kann man die Stoßzeiten meiden und
außerdem gibt es eine Vielzahl von nutzbaren Verkehrsmitteln: Günstige
A/C-Taxis, Linienboote auf den Kanälen (den Klongs), Schiffe auf dem
großen Fluss, die Hochbahn (Skytrain) und neuerdings auch eine U-Bahn.

Busse benutzten wir nie und die Tuktuks haben wir nur selten bestiegen.
Die, zwar freundlichen, Fahrer wollen einen beinahe
immer zu irgend einem Markt abschleppen, um dort Provisionen zu
lukrieren.
Bangkoks Hauptattraktion ist
der königliche Palastbezirk mit den eingeschlossenen und umgebenden
Tempelanlagen.

In der Tempelanlage Wat Pho konnten wir den
größten liegenden Buddha der Welt bewundern. Er ist über 46 m lang
und symbolisiert Buddhas Übergang ins Nirvana.

Im Palastbezirk kann
man neben den Gemächern der königlichen Familie den Wat Phra Kaew
besuchen, der den berühmten Emerald Buddha beherbergt.


Es handelt sich
um eine Statue aus purer Jade, die Jahrhunderte lang unter einer
Gipsverkleidung verborgen war. Fotografieren ist leider verboten.
Er wurde von laotischen Invasoren verschleppt und erst 200 Jahre später
nach Thailand zurückgeführt. Er genießt die höchste Verehrung
durch die königliche Familie und drei kostbare Roben werden je nach
Jahreszeit der Statue angelegt.
In Chinatown besuchten
wir den Tempel des goldenen Buddha (Wat Traimit). Die Statue aus solidem
Gold ist beachtliche 3 m hoch, wiegt 5,5 Tonnen und erstrahlt deshalb in
unvergleichlichem Glanz (wenn auch etwas unscharf am Foto)!!

Zum Abschluss der
Tempel-Geschichten (es gibt Hunderte!) wollen wir noch den Marmor-Tempel (Wat Ben)
erwähnen, weil er wirklich aus Carrara Marmor gebaut ist und über eine
wunderbare Architektur verfügt. Dabei ist die Anlage erst 100 Jahre
alt!

Neben den zahlreichen
Tempeln haben wir uns auch den alten Königspalast, die Vimanmek Teak
Mansion, angesehen.

Es ist das größte Teakgebäude der Welt
und diente König Rama dem V bis 1935 als Residenz. Es wurde in den
1980er Jahren vorbildlich restauriert und der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Sehr genossen wir dort auch eine Aufführung der
klassischen thailändischen Tänze, wobei Michael sogar als
Schwertkampf-Komparse herhalten musste.

Die Szenerie am
großen Fluss, dem Mae Nam Chao Phraya, ist wahrlich pittoresk:
Langboote zischen mit Höllenlärm vorbei, während sich die Fähren
eher gemächlich in den Wellen wiegen.

Und ab und zu kann man eine Art
hölzerne Dschunke beobachten, von den königlichen Barken ganz zu
schweigen.

Wir nutzten den Fluss als Verkehrsmittel wie die zahlreichen
befahrbaren Kanäle, die Klongs.

Dabei muss man allerdings die
Verschmutzung der Gewässer beachten, besonders wenn zwei
Passagier-Kähne aneinander vorbeibrausen. Die Schutzplane kann leider
nicht immer einen vollen Schwall brauner Brühe abhalten, also galt es
die Kamera immer gut zu verstecken. Aber zu Stoßzeiten ist die
abenteuerliche Fahrt in den Klongs unschlagbar kurz und billig
zugleich.
Nichts
wie hin, nach Hua Hin
Nach der Hitze
Bangkoks freuten wir uns schon auf die Woche Strandurlaub. Die
Zugsfahrt ins 200 Km entfernte Hua Hin gestaltete sich sehr
abwechslungsreich: Reisfelder prägten die Szenerie und auf den Hügeln
konnten wir immer wieder Tempeln mit oft gigantischen Buddhastatuten
davor erspähen.

Hua Hin war
jahrzehntelang ein verschlafener, rein thailändischer Badeort ehe es
vor ein paar Jahren von der internationalen Hotellerie wachgeküsst
wurde.

Ergebnis ist ein - noch
- interessanter Mix aus altem Fischerdorf und
moderner Hotelzone. Leider werden die alten, malerischen Stelzbauten am
Strand immer mehr verdrängt und es ist nur noch eine Frage der Zeit,
wann sie ganz verschwunden sein werden. Das Wasser ist herrlich warm,
wenn auch nicht so klar, dass man unbedingt einen Tauchgang unternehmen
möchte.

Wir verbrachten
jedenfalls eine geruhsame und interessante Woche in Hua Hin. Interessant
vor allem deshalb, weil wir Zeuge des thailändischen Songkran Festes (thail.
Neujahr) sein durften. Dabei versinkt ganz Thailand am Höhepunkt der
Hitzewelle in einer wirklich fröhlichen Wasser- und Kreideschlacht. Die
sonst so typische Zurückhaltung wurde von allen Bevölkerungsschichten
und Altersgruppen zu Gunsten einer feucht-fröhlichen Wasserorgie
aufgegeben , deren Ziel natürlich in erster Linie die Ausländer
darstellten. Unzählige Male wurden wir mit Wasser aus Kübeln
überschüttet oder aus gigantischen Spritzpistolen beschossen und dabei
jedes mal mit einem freundlichen "happy new year"
begrüßt. Pudelnass setzten wir dann unseren Weg fort, was kein
großes Problem war sondern eine Wohltat angesichts der 40 °
Hitze. Hintergrund des Wasserfestes ist eine rituelle Reinigung,
was auch durch große Reinigungsaktionen in Wohnhäusern und auch auf
öffentlichen Plätzen zum Ausdruck kommt.
Bei der Rückfahrt
erlebten wir, welche Dimensionen die thailändische Gastfreundschaft
für Touristen annehmen kann: Wir fanden nach dem Einstieg in den Zug
unsere Tickets nicht mehr und glaubten, nun neue kaufen zu müssen. Weit
gefehlt, der "Zugbegleiter" fragte nur ob wir die Plätze
reserviert hätten, dann war die Sache für ihn in Ordnung und wir
wurden nicht weiter behelligt.