Malawi - das warme Herz Afrikas
Vor der Planung unserer Reise
war Malawi eher ein blinder Fleck auf der Landkarte. Wohl wussten wir vom
riesigen Malawisee doch konnten wir uns überhaupt nicht vorstellen, wie es dort
aussieht und welche Völker das Land besiedeln.
Doch nach dem Studium diverser
Reiseliteratur nahmen die Eckdaten konkrete Gestalt an:
Malawi ist ein kleines Land,
vergleichbar der Größe Österreichs, ziemlich dicht besiedelt (ca. 12 Millionen
Einwohner). Die Mehrzahl der Bevölkerung sind Christen jedoch spielt der Islam
eine immer größere Rolle. Der Malawisee ist mehr als 600 km lang und bis zu 80 km
breit. Das Land ist geprägt vom Wechsel zwischen Hoch- und Tiefländern.
Zur Geschichte: Malawi wurde ab der
Mitte des 19. Jahrhunderts besonders stark missioniert (und weist auch heute
noch die größte christliche Missionsdichte in Afrika auf). Aus Malawi wurden
jährlich mehr als 50.000 Sklaven über Mosambik in arabische Länder und nach
Amerika verschifft. Das islamische Volk der Yao in Malawi beteiligte sich
besonders intensiv am Sklavenhandel. Dieser wurde erst durch das britische
Engagement in Malawi am Ende des 19. Jahrhunderts beendet. Apropos Briten:
Diese erklärten Malawi ab 1880 zum Protektorat - sprich Kolonie. Zahlreiche
Malawianer dienten in beiden Weltkriegen als Askaris in der britischen Armee.
Nach dem zweiten Weltkrieg formierte sich eine Unabhängigkeitsbewegung und 1964
wurde Malawi friedlich in die Unabhängigkeit entlassen.
Malawi verfügt über keine größeren
Bodenschätze und ist eher ein Agrarland mit dem See als großer, lokaler
Nahrungsspender. Im Norden wird ua. Kaffee angebaut und im Süden gibt es um den
höchsten Berg Malawis, den Mount Mulanje, mit über 3000 m, wunderbare Teegärten.
Zahlreiche EU-Hilfsprojekte konnten wir bei unserer Reise feststellen.
Wir bereisten Malawi gut zwei Wochen
lang und hielten uns in erster Linie im Süden des Landes auf.
Der folgende Text wurde von Gerti
verfasst.
1. Die Einreise über das
Shire-Valley, dem südlichen Tiefland
Nachdem die Einreiseformalitäten uns
länger als geplant an der Grenze aufhielten, wurde es schön langsam finster und
wir mussten uns ein Übernachtungsplätzchen suchen. Gleich in der ersten Nacht
durften wir uns von der sprichwörtlichen Herzlichkeit und Gastfreundschaft der
Malawier überzeugen. Wir wollten aus Sicherheitsgründen nicht in der Dunkelheit fahren und
so haben wir bald bei einem Dorf gehalten und die gleich angelaufen gekommenen
Leute gefragt, ob wir dort übernachten dürfen. Alle waren sehr neugierig aber
auch gleichzeitig vorsichtig. Ein Mann wurde vorgeschickt der gut Englisch
konnte und dieser hat uns zum Kral des Chiefs geführt. Ohne Chief läuft hier gar
nichts! Wir wurden von Chief Chimombo und seiner engsten Familie (er hatte 5
Frauen und entsprechend viele Kinder und natürlich auch Brüder und Schwestern
mit deren Familien) sehr wohlwollend aufgenommen. Wir hatten die Ehre auf dem "Chiefs
Meetingplace" dem Hauptplatz unseren Schlafplatz aufschlagen zu dürfen. Es war
bereits stockdunkel - dort gab es keinen Strom. Der Chief, Vorsteher von ca.
15.000 "Untergebenen" führt mit seinem Volk noch das Leben, wie es dort sicher
seit Jahrhunderten gelebt wird. Wir hatten nur unsere kleine Solarlampe und
konnten sehen, spüren und hören, dass ein ganzes Dorf rund um uns herumsteht und
uns gespannt beobachtet. So was ist ihnen noch nicht oft passiert und uns schon
gar nicht. Der Chief hat
sich noch ein wenig mit uns unterhalten und sich dann zurückgezogen. Ein junger
sehr gebildeter Mann hat die Konversation für ihn fortgesetzt. Sie waren
unglaublich interessiert an unserem Leben und umgekehrt. Die Kinder in
vorderster Reihe hatten immer wieder viel zu Lachen, wenn wir versuchten etwas
von ihrer Sprache zu lernen und natürlich unsere Aussprache zu wünschen übrig
ließ.

Gleich nach Sonnenaufgang hörten wir
Chief Chimombos unvergleichliche Stimme über Chiefs Meetingplace hallen. Er war
wohl neugierig was das für welche sind, die er da übernachten hat lassen.
Angesichts der Armut die wir rings um uns sahen haben wir uns tunlichst das
Frühstück verkniffen und mit Freude die Konversation vom Vorabend wieder
aufgenommen und noch viel von dem freundlichen Volk erfahren dürfen. Der Chief
hat uns erlaubt als kleines Dankeschön für den wirklich außergewöhnlichen
Übernachtungsplatz ihm ein paar Lebensmittel und Kleidungsstücke für seine Leute
zu überlassen. Diese sehr einfachen und doch intelligenten Menschen haben uns
mit ihrer Herzlichkeit überwältigt und wir sind mit einem großartigen Gefühl der
Dankbarkeit für dieses Erlebnis weiter gezogen.
2. Die Provinzhauptstadt
Blantyre im Shire Hochland
Blantyre hat uns genau das geboten, was
wir brauchten. Eine schöne, zivilisierte Stadt mit einem neuen Einkaufszentrum,
das uns alles Erdenkliche bot. Wir konnten uns von Hitze und Staub des
Tieflandes erholen. Eine gemütliche Lodge haben wir uns schon vorher ausgesucht.
Manchmal tut´s auch gut wieder mal ein paar Tage in einem Zimmer mit Bad zu
verbringen. Außerdem haben wir uns dort das Visum für Malawi besorgen müssen.
Auf dem Konsulat konnten wir uns wieder mal von der entspannten und freundlichen
Art der Malawier überzeugen.
Blantyres Wahrzeichen ist die alte
Missionskirche, die von einem Missionar ohne jegliche architektonische
Vorkenntnisse erbaut wurde.

3. Der höchste Berg, der
Mount Mulanje
Mount Mulanje ist ein Gebirgsstock mit
knapp 3000 m hohen Gipfeln und liegt an der südlichen Grenze zu Mosambik.
Bereits die ca. 3stündige Anfahrt von Blantyre war ein Erlebnis, als das
Gebirgsmassiv langsam vor uns auftauchte.

Am Fuße des Berges leuchteten
wunderbar hellgrüne Teebüsche von den Plantagen und gaben dem Berg eine
einzigartige Note.
Zahlreiche Wanderwege überziehen das Massiv und klare Bäche
bilde reizvolle Wasserfälle und Badepools, die von Einheimischen und Touristen
gleichermaßen gerne besucht werden. Wir verbrachten eine Nacht am reizvoll
gelegenen Campground bei der ehemaligen Mission.

Wieder einmal lernten wir Malawier kennen, die uns mit ihrer Herzlichkeit dahin schmelzen ließen.

4. Ein Ausflug wie in
die österreichischen Berge - auf das Zomba-Plateau
Das Zombaplateau lag noch um einiges
höher als die Missionsstation bei der wir vorher am Mount Mulanje gecampt hatten.
Diese Nacht war um einiges kälter für uns. Die Landschaft erinnerte uns mit den
vielen Nadelbäumen an unsere österreichischen Berge.

Die ringsum stehenden Baumfarne
begeisterten uns besonders, weil sie uns das Gefühl gaben in einem ewig altem
Wald zu sein.

Die Vogelwelt am Plateau war passend dazu auch sehr exotisch und außergewöhnlich.
Wir hatten wieder einen besonderen Platz gefunden.
Der Wald wird auch intensiv
bewirtschaftet und die Holzscheite werden per Fahrrad in Tiefland gebracht, was
nach einer "Knochenarbeit" aussieht.

5. Malawis
Vorzeige-Nationalpark - der Liwonde Nationalpark
Der Liwonde-Nationalpark hat uns mit
seinem Tierreichtum und der schönen Vegetation besonders den Mopanewäldern
begeistert.
Gleich in der ersten Nacht am
Campingplatz sollten sich unsere Elefantengeschichten weiter fortsetzen.
Wir waren schon sehr gespannt, welche Tiere ins Camp kommen, weil kein Zaun
darum war. Alles war möglich nach Einbruch der Dunkelheit. Es gab fast
keine Lichter beim Campingplatz, außerdem waren wir müde und haben uns bald in
unser Dachzelt zurückgezogen. Einige Zeit haben wir noch gespannt auf die
Geräusche rund herum gehorcht, sind aber bald eingeschlafen. Unbekannte
Geräusche haben uns geweckt. Ein Schmatzen und an dem riesigen .Baum
Ziehen, unter den wir uns bei Tag im Schatten geparkt hatten. Nach kurzer
Analyse war klar: Ein Elefant hat gefallen an unserem Baum gefunden. Stundenlang
hat er daran genascht ohne unser Auto oder Zelt auch nur im geringsten zu
berühren oder gar zu beschädigen. Wenn nicht manchmal Blätter unter seinen Füßen geknackt hätten, wäre es nicht möglich gewesen festzustellen, wohin er nun
gerade wieder gegangen war. Als er den Baum verlassen hatte hörten wir ihn oder
ein paar Familienmitglieder von ihm noch bis zum Morgengrauen im und rund um´s
Camp frisches Grün und Früchte naschen.

Wir hatten dann erfahren (es war nicht
zu übersehen) dass er über den Poolbereich "durch den Schilfzaun" auf das
Campgelände gekommen war. Am nächsten Abend ist er dann schon bei
Einbruch der Dämmerung gekommen. Vielleicht damit wir ihn besser sehen konnten.
Dabei hat er den während des Tages reparierten Zaun wieder genau an der selben
Stelle durchbrochen und beim Pool vorbeigeschaut.
Wir blieben einfach tagsüber beim Camp
und haben gewartet welche Tiere noch vorbeischauen.

Die Vögel dort haben uns mit ihrem
bunten exotischen Aussehen in ihren Bann gezogen. Es verging kaum ein
Augenblick, an dem wir nicht Besuch von einem neuen Vogel hatten.

Bereits bei der 35KM langen Zufahrt zum
Camp, konnten wir uns uns von der Tiervielfalt im Liwonde NP überzeugen.
Elefanten- und Hipposichtungen sind hier garantiert.

Süchtig
geworden, haben wir am nächsten Abend einen Eveningdrive gemacht. Dabei kamen
uns das erste Mal im Mopanewald die seltenen Säbelantelopen vor die
Kamera:

Der Liwonde-NP endet am Südufer des Malawi-Sees
wo der Shire River den einzigen Abfluß des Sees bildet und
dort stand der riesige Baobab-Baum.

6. Der Malawisee,ein See, groß wie ein
Meer
Die ersten drei Nächte verbrachten wir
in einer Lodge mit Campingplatz am Ostufer der Bucht von Cape Maclear, das von malerischen runden Boulders
(Steinen) eingerahmt war.

Auf diesen Felsen konnten wir die verschiedensten
Echsen und sogar einen Waran beobachten, als er sich eine Schnecke aus dem
Malawisee herauf getaucht hat.
Als wir durch Cape Maclear kamen
mussten wir mitten durch das Dorf fahren. Dort war gerade eine riesige
Versammlung angesagt. Wir hörten später, dass bereits am Vortag auch eine
Versammlung stattgefunden hatte. Wir dachten zuerst ein Chiefs Meeting. Wir
haben aber erfahren, dass ein junger Mann vom Dorf an Aids gestorben war und
sich alle Verwandten und Freunde getroffen hatten. Später sollten wir noch mehr
mit Aids konfrontiert werden...
Abends erlebten wir malerische Sonnenuntergänge, die noch eine Steigerung erhielten, wenn die Fischer bei
Sonnenuntergang mit ihrem Einbaum zum Fischen hinausfuhren.

Wir genossen es, hier abgeschirmt vom
Eingeborenendorf zu sein und nicht von den unzähligen Händlern belästigt zu
werden. Wir haben Malawi und seine Einwohner sehr lieb gewonnen, aber manchmal
waren zu viele Verkäufer unterwegs.

Die vierte Nacht in Cape Maclear haben
wir uns dann ein paar hundert Meter weiter in eine Anlage gewagt an der der
Strand für die Öffentlichkeit und natürlich auch für Händler offen war. Wir
wurden immer wieder mal gefragt, ob wir dies oder jenes brauchen, aber
inzwischen konnten wir bereits ganz gut höflich aber bestimmt dankend ablehnen.
Bei einem Gespräch lernten wir einen Mann kennen, dessen Frau vor kurzem an Aids
verstorben war und der selbst an Aids leidet. Er hatte zwei Mädchen und hat uns
erzählt, wie er so zurecht kommt. Er hätte uns für den Abend eingeladen, aber
wir haben uns mit einem "vielleicht" rausgeschlichen. Am nächsten Morgen haben
wir für die Mädchen ein paar Kleidungsstücke und Süßigkeiten vorbereitet und ihm
bei seinem neuerlichen Besuch mitgegeben. Wir waren ein wenig hilflos und auch
berührt und geschockt. Wann passiert einem so etwas schon zuhause?
Täglich hat der Malawisee versucht uns
ins Wasser zu locken. Nur mit eiserner Selbstdisziplin konnten wir ein Bad im See
vermeiden. Direkt am See gibt es auch das Eingeborenendorf mit all seinen Tieren
und teilweise war Schilf am Ufer. Das alles sind Indizien dafür, dass eine
mögliche Bilharziosegefahr bestand. Wir haben gehört, dass bereits ca. 50% aller
am Malawisee lebenden Menschen Bilharziose haben und im Gegensatz zu vielen
Touristen aus den verschiedenste Ländern gab es für uns kein Bad im See. Wer im
Salzkammergut ein Häuschen besitzt braucht wirklich nicht in jede Pfütze
springen ..... :o))))
Die letzte Nacht am See verbrachten wir
in Senga Bay am Campingplatz des berühmten Livingstonia Beach Hotels. Die
Angestellten des First Class Anwesens, offensichtlich nicht aus Malawi stammend,
zeichneten sich durch auffällige Unfreundlichkeit aus. Das traf uns besonders,
weil wir überall in Malawi bisher sehr freundliche bis herzliche Menschen kennen
gelernt haben. Dort trafen wir eine Gruppe 4x4 Fahrer die gerade aus Holland
eingeflogen worden waren und am nächsten Tag eine geführte Tour nach Sambia
antraten. Auch für amerikanische Touristen war das Hotel eine Destination.
7. Lilongwe - Malawis
Hauptstadt und der Abschied
Es war "Sanierungsurlaub" vom vielen
Herumfahren angesagt. In den Städten haben wir uns immer mit unterwegs teilweise
schwierig zu erhaltenden Lebensmittel und anderen Gütern eingedeckt. Diesmal war
die Vorbereitung für Sambia dran. Wir freuten uns schon besonders auf den South
Luangwa Nationalpark. Wir mussten auch wieder Waschtage einlegen und den Pinzi
überholen. Unsere großzügig angelegte, in einem Park gelegene, Unterkunft war
der Campground des
Golfclubs von Lilongwe, wir waren automatisch Mitglieder und konnten auch Golf spielen.
Die Geschäfte und Internetcafes lagen in Fußdistanz. Dieser Platz war
Anziehungspunkt für viele Langzeittraveller, sogar die Autoren der
Reiseliteratur mit der wir unterwegs waren, schauten vorbei.
Ein ein nettes schweizer Paar war
bereits am Platz und wir konnten viele Informationen mit Ihnen austauschen, weil
sie bereits seit mehr als zwei Jahren mit Hund und Katze durch Afrika reisten.

Am vorletzten Tag wurde im sehr
belebten Moslemviertel von Trickdieben mein Rucksack mit unserer Kamera und
etlichen anderen leider unersetzlichen Gegenständen gestohlen. Wir haben
versucht die Polizei etwas mehr zu animieren (es war ihnen bald klar, wer die
Diebe waren) und haben eine Belohnung ausgesetzt. Leider ohne Erfolg, so mussten wir wieder
mal Visa um Hilfe bemühen - ein spezieller Dank an Visa für die schnelle
Bearbeitung. Als der erste Ärger verflogen war, haben wir
feststellen müssen, dass wir in jedem Land das uns besonders gut gefällt etwas
von uns zurücklassen... ;-)
Nach dem
"kuscheligen" Malawi ging's in die wildesten Gebiete unserer
Reise, Abenteuer pur waren angesagt!