
Reise
nach Marokko
25.
März - 2. April 2002
Die
Zahlen führen Sie zu den Kapiteln!

1. Tag
Wir kamen gegen
Mittag in Agadir an, tauschten DH 800 (~ € 80)und übernahmen den
Mietwagen (Toyota Starlet). Dann ging es los - gleich auf eine
völlig neue, noch nicht ganz fertiggestellte Autobahn - ohne
jegliche Wegweiser! Nach einigem hin und her fanden wir aber dann
trotzdem unseren Weg nach Taroudannt, der Stadt unserer ersten
Übernachtung. Unterwegs fielen uns die zahlreichen Obstplantagen
und die herrlichen Düfte von den Hecken auf.
Taroudannt ist
eine Provinzhauptstadt mit viel arabischem Flair, kleiner als
Marrakech aber dafür überschaubarer.
Wir wohnten im
Hotel "Taroudannt", bei dem wir (unnötigerweise) von
Europa aus ein Zimmer reserviert hatten. Das Zimmer mit Dusche
kostete DH 140 und war mittelmäßig sauber. Das Hotel hat einen
reizenden, mit exotischen Pflanzen bewachsenen Innenhof. Leider
mutiert die Hotelbar nächtens zu einer üblen Bierkneipe mit dem
dazugehörenden Geräuschpegel. Auch das Essen ist besser in einem
der anderen Restaurants rund um den Platz Assarag einzunehmen!

Taroudannt hat
sehr interessante Suqs (=Märkte), die man auch sehr gut alleine
besuchen kann! Wir schafften dies nur zum Teil, weil uns ein
freundlicher Stadtbewohner bereits bei der Stadteinfahrt
"adoptiert" hatte. Die Preise in den Läden sind total
überhöht, obwohl immer wieder betont wird, wie günstig es hier im
Vergleich zum "teuren" Marrakech sei.


Die zwei
Sehenswürdigkeiten Taroudannts sind die komplett erhaltenen
Stadtmauer aus Stampflehm sowie der herrliche Platz Assarag, auch
Alouine genannt.

In Taroudannt
kann man auch problemlos Bargeld via Bankomat beziehen! Wir zogen
aus dieser Tatsache leider die falschen Schlüsse und mussten
deshalb im Laufe der Reise einmal mit einem finanziellen Engpass
leben.
2. Tag
Gut
ausgeschlafen (trotz des Lärms) gingen wir voller Tatendrang unsere 2. Etappe an. Sie sollte uns ins Gebirge bis nach Ouarzazate
(Sprich: Warzazat) führen und war unsere längste Fahrt über 300
km.

Die Vegetation
wurde immer kahler, Ziegen weideten auf Hängen, die praktisch kahl
gefressen waren. Dazwischen gab es aber auch immer wieder Felder mit
Getreideanbau (vermuteten wir zumindest aufgrund der Feldanlage).
Wir durchfuhren einige Straßendörfer, wie Taliouine und Tazenakht,
letzteres ist wegen seiner Teppichwebkunst berühmt. Doch schon in
Taroudannt schwuren wir den feierlichen Eid, uns auf keinen Fall
einen Teppich "andrehen" zu lassen, zumal die Kooperative
von Tazenakht, wo man Teppich zu echten Herstellerpreisen kaufen
konnte, geschlossen ist (es wird gerade eine neue am Ortsrand
errichtet).
Ouarzazate ist
der Haupttouristenort im hohen Atlas. Es liegt auf ca. 1600 m und
hat sogar einen Flughafen. Es gibt ein exquisites Luxus-Hotel-Viertel
und es werden Folkloreveranstaltungen wie in Marrakech angeboten.
Wir verzichteten auf all das und wurden lediglich am Campingplatz
vom "Musikantenstadl" auf marokkanisch
"beschallt".
Ouarzazate
wirkt etwas steril für marokkanische Verhältnisse, hat aber eine
palastartige Kasbah (=Lehmburg), die einen Blick Wert
ist. 
3. Tag
Es war ein
wunderschöner, aber kalter Morgen (ca. 5 Grad C.) Wir hatten die
Nacht vorher gut in einer Kneipe gespeist und deckten uns in
Ouarzazate mit leckeren Mehlspeisen ein. Wir beschlossen, keine so
langen Fahrten wie am Vortag mehr zu unternehmen, wollten das Land
genießen, und das ist nur möglich, wenn man mit Muße zB in einem
Straßencafe sitzt und die Szenerie vorbeiziehen lässt. Also
opferten wir die Strecke in das Dades-Tal (schweren Herzens) und
konzentrierten uns auf das Draa-Tal.
Zunächst ging
es einen spektakulären Pass abwärts in das Draa-Tal, leider
war da gerade schlechtes Wetter, dh Wolken und (Sand)sturm - also
keine Gelegenheit zum Fotografieren.
Unser Tagesziel
war das Oasen-Städtchen Agdz, mit einem netten Hauptplatz.

Wir
wohnten am Campingplatz "La Palmerie" und waren dort fast
alleine. Dieser Platz wird von den Leuten der angrenzenden Kasbah
betrieben und wir ließen uns auch gegen (geringes) Salär die
Kasbah zeigen. Die Besitzer sind sehr gastfreundlich aber überhaupt
nicht aufdringlich, was auf unserer Reise eine gewissen Einmaligkeit
hatte.
Diese
Kasbah ist ca. 200 Jahre alt und diente in früheren Zeiten dem
Quaid der Regionalverwaltung. Den Nachfahren merkt man deshalb auch
ihr adeliges Blut an. Uns wurde gezeigt, dass so eine Kasbah
verschiedene Räume für den Winter (niedriger) und für den Sommer
(höher) besitzt. Als Baumaterial wurde und wird
"Stampflehm" verwendet, der aus luftgetrockenten
Lehmziegeln besteht. Diese Ziegel werden dann mit einer Mischung aus
Lehm, Sand, Kalk und Stroh zu Mauern verbunden. Durch diese
Substanzen wird gewährleistet, dass der Bau im Sommer eine gute
Isolationswirkung besitzt. (Steine würden viel zu heiß werden!)
Vergleichen kann man diese Gebäude mit den Adobe-Bauten der
Indianer der US-Südstaaten und Mexikos.
Die
Erhaltung einer Kasbah ist sehr aufwändig, die meisten sind dem
Verfall preisgegeben, weil die Bewohner in moderne Häuser ziehen.
Bei dieser Kasbah gibt es eine Deutsche Gruppe, die von Zeit zu Zeit
für Renovierungsarbeiten "einfällt" - überhaupt sind
die Deutschen in Marokko sehr aktiv und daher auch sehr beliebt!
4. Tag
Nun
ging's das Draa-Tal hinunter Richtung Sahara. Zahllose Oasen gab es
da zu bewundern.

Das
grün der Pflanzen fällt in einer kargen Gegend viel stärker auf.

Es
gab hier auch verschiedenste Kasbahs als wunderschöne
Postkartenmotive:

Schließlich
erreichten wir Zagora, den alten Karawanen-Ort am Rande der Sahara.
Von dort zogen in den alten Tagen die Karawanen los in Richtung
Timbouctou. Als wir ankamen fegte gerade der Wüstensturm durch die
Stadt und wir entschlossen uns, diesmal feste Wände dem Stoff des
Zeltes Vorrang zu geben.
Zum
Glück fanden wir auf einem wunderschönen neuem Camping-Gelände
auch ein nettes Zimmer in einem neu errichteten Turm im Kasbah-Stil.
Unser
Entschluss erwies sich als weise, da an diesem Abend der erste Regen
seit 2 Jahren fiel. Dafür war der nächste Morgen um so schöner
und wir genossen den Sonnenaufgang!

Danach
gab's leckeres Berber-Frühstück im Beduinenzelt. Michael musste
allerdings passen, da er sich am Vortag die "Rache Allahs"
zugezogen hatte!

Zagora
ist auch der bedeutendste Ort was Kamel-Trekking-Touren betrifft:
Auf den Straßen, in den Geschäften, überall wollen einem
"Fachleute" zu einem Ausflug in die Wüste verhelfen.
Leider hatten wir nicht genug Zeit dafür!
Aber
posieren durften wir mit unseren Tuareg-Freunden ...

5. Tag
An
diesem Tag kamen wir der Sahara am nächsten und mussten zugleich
den Rückweg antreten.

Sehr
vermissten wir hier die Antilopen Südafrikas unter den
Schirmakazien! Aber dafür gab es andere
"Sehenswürdigkeiten", wie zB aus dem Boden gestampfte,
blitzblanke Schulgebäude, welche die Alphabetisierungs-Bemühungen
der Regierung unterstrichen.

Die
Nacht verbrachten wir wiederum in Agdz, wo wir von den Leuten der
Kasbah wie alte Freunde empfangen wurden. Es fand an diesem Abend
eine Hochzeit statt, zu der wir eingeladen wurden. Einen
"arabischeren" Höhepunkt kann man sich kaum vorstellen.
Es handelte sich um den Abend vor der eigentlichen Hochzeit, es war
das traditionelle Fest der Frauen, Michael, als Mann, wurde als
"special guest" nur geduldet und ans Fotografieren war gar
nicht zu denken!
6. Tag
Dieser
Tag war durch 2 Besonderheiten charakterisiert:
1.
Geldmangel: Wir schafften es in Agdz nicht, Geld zu bekommen, weil
die Bank geschlossen und kein Bankomat in Sicht war. Auch in den
anderen Dörfern hatten wir kein Glück, so mussten wir mit den
letzten Dirham lebensnotwendige Dinge am Markt einkaufen gehen,
statt im verheißungsvollen Berber-Zelt zu dinieren. Aus der Patsche
half uns jedoch eine Tankstelle mit Kreditkartenzahlung und
ein Deutscher, der unsere letzten 5 Euro umtauschte.
2.
Off-Road-Feeling: Auf der Straßenkarte entdeckten wir eine
Abkürzung, die jedoch als Schotterpiste für 40 km beschrieben
war. Es wurde uns aber versichert, dass man die Piste mit
einem normalen Fahrzeug durchaus bewältigen kann. Wie die Leute in
den Reiseführern aber auf 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
kamen, blieb uns aber ein Rätsel. Jedenfalls war's eine willkommene
Abwechslung in totaler Einsamkeit. Wir fragten uns nur, wo die
ganzen Landrover abgeblieben waren ...

Übernachtet
hatten wir in Taliouine, wo wir ein kleines Paradies mit
Kräutergarten und herrlichem Panoramablick fanden. 
7. Tag
Heimwärts
geht's! Wir genießen noch einmal die grandiose Landschaft, je weiter
wir zur Küste kommen umso grüner wird es. Hier wuchsen dann die
typischen Arganien-Bäume, die in dieser Gegend endemisch sind, dh
es gibt sie sonst nirgends auf der Welt! Aus den Samen der Früchte
wird ein ziemlich teures Öl gepresst und die Ziegen lieben die
Blätter und Früchte, wie man sieht!


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haben, können Sie diesen kostenlos (Real-Player 8 Basic) von www.real.com
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Die
letzte Nacht in Marokko verbrachten wir wieder in Taroudannt,
diesmal wählten wir aber ein Hotel, von dessen Terrasse aus wir den
Platz Assarag zum ungestörten Fotografieren überblicken konnten,
wenn da nur nicht der sintflutartige Regen gewesen wäre
...

Am
nächsten Morgen gab's noch schnell ein Frühstück in einem der
netten Cafes am Platz und dann ging's problemlos zurück nach
Agadir, wo der Condor-Flieger bereits auf uns wartete!

Abschließend
möchten wir betonen, dass es kein Urlaub im klassischen Sinn
war, eher eine Bildungsreise, die uns in eine faszinierende, fremde
Welt eintauchen ließ!
Marokko,
wir werden uns wohl nicht zum letzten Mal gesehen haben!
